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T.C. Boyle "Willkommen in Wellville"

Battle Creek, Michigan 1907: Dr. Harney Kellog hat sich der wissenschaftlichen -physiologischen - Lebensweise verschrieben und möchte diese alle Menschen nahebringen. Fleisch, Tabak, Alkohol und auch Sex lehnt der Mediziner ab - sie führen zur Autointoxikation und sind Schuld für unzählige Krankheiten. Insbesondere die reiche Oberschicht Amerikas lässt sich die Aufenthalte in seinem Sanatorium so einiges kosten und viele skurille Behandlungsmethoden über sich ergehen. Unter ihnen sind auch Will Lightbody und seine Frau Eleanor, letztere eine glühende Anhängerin Kellogs. Will ist eher skeptisch, doch damit muss er dem Doktor gar nicht erst kommen - er heilt jede*m in seiner Einrichtung, ob die betreffende Person dies will oder nicht...

Boyle gelingt es auch in diesem Buch hervorragend die Absurditäten der menschlichen Gesellschaft vorzuführen. Allein die ganzen Behandlungsmethoden und Diäten, denen sich die Menschen durch Dr. Kellogg aussetzen lassen, lösen bei Leser*innen Kopfschütteln, Lachen und teilweise Verzweiflung darüber aus, dass sich Erwachsene so behandeln lassen. Den zweiten Handlungsstrang um den unfreiwilligen Betrüger und nur beinahe-Inhaber einer Frühstücksflocken-Firma hätte ich allerdings nicht gebraucht und ich frage mich, warum dieser Part in die Handlung integriert wurde. Alles in allem kann ich das Buch aber als angenehm kurzweilige Unterhaltung empfehlen.

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Niklas Natt och Dag "1794"

Stockholm im Jahr 1794: Ein Jahr ist seit den tragischen Ermittlungen vergangen und Jean Michael Cardell hat den Tod von Cecil Winge immer noch nicht verwunden. Da sucht ihn eine Frau auf, die um seine Hilfe als Ermittler bittet. Ihre Tochter ist in der Hochzeitsnacht verstorben - angeblich waren Wölfe die Ursache. Die Mutter will das nicht glauben und die Wahrheit herausfinden. Cardell weiß, dass er alleine nicht viel helfen kann, doch der Zufall will es, dass Cecil Winges jüngerer Bruder Emil sich in der Stadt befindet und dieser soll ähnlich intelligent sein. Wie Cardell bald feststellt, ist diese Behauptung nicht gänzlich falsch, doch Emil Winge ist ein Getriebener, der im Alkohol versucht zu ertränken, dass er an Wahnvorstellungen leidet. Trotzdem kommen die beiden dem Mörder des jungen Mädchens bedrohlich nahe - und müssen erkennen, dass sie es mit einem wahren Teufel in Menschengestalt zu tun haben, dem sie kaum das Handwerk werden legen können...

Oh weh, das ist leider ein Buch aus der Reihe: Fortsetzung, die Autor*innen besser gelassen hätten. Hier fehlt leider nahezu alles: Spannung, Story und gute Figuren. Den verstorbenen Cecil Winge durch seinen jüngeren Bruder zu ersetzen, halte ich dabei noch für die beste Idee des Buchs. Warum aber wieder unnötig viele Seiten mitten im Kriminalfall plötzlich mit der Fortsetzung der Geschichte um Anna Stina Knapp gefüllt werden müssen, verstehe ich nicht. So spannend, dass man als Leser*in eine Atempause bräuchte, war es auch nicht. Der erste Teil des Buches nimmt für mich den ganzen Reiz des Krimis weg, weil sich mit ihm schon klärt, wer eigentlich der Täter ist. Und wie auch schon in 1793 greift der Autor wieder tief in die Ekelkiste, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Für mich bleibt es ein billiger Versuch über ein eigentlich sehr schwaches Buch hinwegzutäuschen.

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Sarah Perry "Melmoth"

Nach der Kreuzigung Jesus von Nazareth findet eine Gruppe Frauen sein Grab leer vor - während die anderen seine Auferstehung bezeugen, leugnet eine Frau dies. Ihr Name ist Melmoth und für ihre Tat wird sie dazu verdammt bis in die Ewigkeit über die Erde zu wandern und Zeugnis über die Taten der Menschen abzulegen. Sie bietet verzweifelten Seelen eine Chance an ihrer Seite vermeindlich ihrem Gewissen zu entkommen. In Prag stößt Helen Franklin durch einen Freund auf diese Sage. Sie erscheint der jungen Frau märchenhaft, doch immer mehr Hinweise deuten daraufhin, dass Melmoth wirklich existieren könnte. Helen, die selbst wegen eines Ereignisses in der Vergangenheit nach Prag geflohen ist und sich seitdem mit dem Entzug jeglicher Annehmlichkeiten bestraft, beginnt eine Gestalt in schwarz zu sehen, die sie verfolgt. Ist es tatsächlich Melmoth oder spielt ihre Fantasie ihr einen Streich?

Dies ist das zweite Buch der Autorin, das ich lese und ich muss sagen, ich finde Gefallen an ihrer Art zu erzählen und ihren Geschichten. Auch Melmoth lässt einen lange im Unklaren, ob hier wirklich fantastische Elemente im Spiel sind oder nicht (und ich spoilere jetzt nicht und verrate es daher auch nicht) - und das finde ich auch nach Beendigung des Buches sehr clever gelöst. Die Hauptfigur hat mir ebenfalls gefallen, sie ist ein tiefschichtiger und interessanter Charakter, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Und dann ist da noch der Handlungort: Prag. Ich habe mich irgendwie sofort in die Stadt und ihre Atmosphäre hineinversetzt gefühlt. Alles in allem also eine klare Leseempfehlung.

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Patrick Rothfuss "Die Musik der Stille"

Das vorliegende Buch entstammt Patrick Rothfuss' Königsmörder-Welt. Es ist allerdings kein eigenständiger Roman, sondern eine Art Novelle oder Erzählung, die die Figur Auri in den Mittelpunkt stellt. In den anderen Büchern hat man bisher wenig über sie erfahren, nun steht sie und ihre Sicht der Welt im Mittelpunkt. Auri erlebt die Welt auf eine sehr ungewöhnliche Weise, die mich ein wenig an Autist*innen erinnert hat, ohne definitiv sagen zu können, ob das vollständig zutrifft. Alles muss seine Ordnung haben, Dinge müssen auf eine bestimmte Art und Weise getan werden. Abweichungen auch nur kleinster Art sind nicht akzeptabel. 

Eine Handlung im eigentlichen Sinne hat diese Erzählung zwar kaum, trotzdem hat es mir Spaß gemacht, das Buch zu lesen. Es ist unterhaltsam und kurzweilig, aber auch ein wenig seltsam, wie der Autor auch im Nachwort zugibt. Wer die anderen Bücher aus der Königsmörder-Reihe nicht kennt, wird mit der Erzählung wenig anfangen können, sie ist meiner Meinung nach keinesfalls ein Einstieg in Rothfuss' Welt. Fans von ihm dürfen aber hoffentlich genauso viel Gefallen an diesem Buch finden wie ich. Ich muss allerdings zugegeben, dass ich auf die Taschenbuch-Variante ausgewichen bin - bei dem dünnen Bändchen finde ich den Preis für das Hardcover doch etwas happig. Auch wenn die schönen Illustrationen auf den größeren Seiten sicher besser ausgesehen hätten.

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Patrick Rothfuss "Die Furcht des Weisen 2" (Königsmörder-Chronik 2)

Kvothe und seinen Gefährten ist es zwar gelungen, die Banditen zu töten, die zu finden der Maer sie ausgesandt hat, doch auf dem Rückweg erliegt er dem Zauber der Fae Felurian. Sie nimmt ihn mit in ihr Reich, dass bisher noch kein Mann lebend oder bei klarem Verstand verlassen hat. Durch eine List gelingt Kvothe dies allerdings, jedoch macht er vorher die Bekanntschaft eines uralten, gefährlichen und bösen Wesens. Nach seiner Rückkehr in die Menschenwelt begleitet er zunächst seinen neuen Freund Tepi in dessen Heimat. Hier lernt Kvothe die uralten Kampftechniken und Wert der Adam, jener gefürchteten und schweigsamen Söldner*innen. Die triumphale Rückkehr an den Hof des Maer wird durch einen Zwischenfall und Vorurteile gegen Kvothes Abstammung von den Edama Ruh zerstört. Doch an der Universität sind die Ereignisse, die ihn zum Abbruch veranlassten mittlerweile soweit verblasst, dass seiner Rückkehr nichts im Wege steht...

Ich habe nichts zu meiner Review vom ersten Teil dieses zweiten Bandes der Reihe um den Königsmörder Kvothe hinzuzufügen. Außer mein anhaltendes Unverständnis über die deutsche Unsitte englische Bücher in zwei Bände zu teilen. Auch hier verstehe ich wieder nicht, was das sollte. Okay, 1.300 Seiten wären eine Hausnummer gewesen, aber ich bin davon überzeugt, dass sich eine drucktechnische Lösung gefunden hätte.

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Patrick Rothfuss "Die Furcht des Weisen 1" (Königsmörder-Chronik 2)

Der Wirt Kothe bzw. eigentlich der legendäre Magier Kvothe setzt die Erzählung seines Lebens fort. An der Universität halten sich Erfolge und Probleme die Waagschale. Immer wieder kocht seine Auseinandersetzung mit dem Adeligen Ambroise hoch, wohl auch, weil Kvothe nicht klein beigeben will. Als Ambroise jedoch auch Kvothes Freundin Denna übel mitspielt, setzt dieser alles aufs Spiel, um ihr zu helfen. Dabei zieht er sich jedoch Ambroises Zorn so dermaßen zu, dass Kvothe schließlich sein Studium unterbricht, um Gras über die Sache wachsen zu lassen. Ein reicher Bekannter vermittelt ihm Kontakt zu einem potenziellen Schirmherren, an dessen Hof Kvothe reist. Doch auch hier lauern vielfältige Gefahren und insbesondere Kvothes Stolz und sein aufbrausendes Temparament sind nicht gerade hilfreich im Vermeiden von Problemen...

Es geht weiter mit dem Bericht von Kvothes Leben und ich muss sagen, dass ich die Figur immer faszinierender finde. Kvothe ist kein Über-Held, er hat seine Fehler und Schwächen, die eine Balance zu seinen herausragenden Fähigkeiten in anderen Bereichen darstellen. Manche Leser*innen werden das Buch eventuell langatmig finden, mir persönlich gefällt gerade dieses sehr langsame und intensive Erzählen sehr gut. Hier entwickelt sich eine Geschichte und mit ihr die Hauptfigur. Ich habe diesen Band ebenso wie den ersten aus der Reihe nur schwer aus der Hand legen können und nahezu verschlungen. Einen Kritikpunkt habe ich allerdings doch noch: Warum musste für die deutsche Ausgabe mal wieder aus einem englischen Band zwei Bücher gemacht werden? Das Argument, dass es deutschen Leser*innen nicht zumutbar ist, ein Buch mit mehr als 1000 Seiten zu lesen, zählt dabei für mich nicht.

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Andrzej Sapkowski "Etwas endet, etwas beginnt"

Das hier betrachtete Buch beinhaltet eine Sammlung von mehreren Erzählungen des Autors der bekannten Hexer-Saga. Zwei davon spielen auch in diesem Universum, die anderen zeigen die Bandbreite des Autors in anderen Bereichen auf. Mir haben vor allem die Erzählungen gut gefallen, die im Bereich von Horror oder Science Fiction angesiedelt sind. Grundsätzlich zeigt dieses Buch aber recht gut, dass Sapkowksi tatsächlich ein guter Autor ist, der sein Handwerk versteht. Interessant fand ich auch, dass jeder Erzählung eine kurze Einführung durch den Autor vorweg gestellt ist, in der dieser etwas zur Entstehung berichtet. Vielleicht geht es nur mir so, aber ich hatte dabei immer wieder den Eindruck, dass Sapkowski nicht gerade durch mangelndes Selbstbewusstsein auffällt und sich gerne selbst beweihräuchert. Das macht das Buch nicht schlechter, nimmt aber Sympathien für den Autor.

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Anthony Ryan "Das Duell der Bösen" (Rabenschatten-Geschichten"

Das Buch beinhaltet drei Geschichten, die in der Welt von Ryans Rabenschatten-Trilogie um Vaelin Al Sorna spielen. Dieser taucht in keiner davon auf, dafür aber andere bekannte Figuren und Ereignisse. Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen, der vertiefende Einblick hat Spaß gemacht und einige Charaktere nochmal in ein anderes Licht gerückt. Schade nur, dass es ein sehr kurzes Lesevergnügen ist - meinetwegen hätten ruhig ein paar mehr Geschichten in den Band gekonnt.

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Sarah Perry "Nach mir die Flut"

Der Buchhändler John Cole hat genug von seinem langweiligen Leben: Er schließt seinen Laden und will spontan zu seinem Bruder und dessen Familie reisen, um dann zu überlegen, wie es weitergeht. Auf dem Weg dorthin hat  sein Auto jedoch eine Panne und die Suche nach Hilfe führt ihn zu einer rätselhaften Villa. Deren Bewohner*innen behandeln ihn wie einen lange erwarteten Gast und kennen scheinbar auch seinen Namen. John bleibt, anfangs aus Neugier, was mit den seltsamen Ereignissen auf sich hat, später aus Sympathie mit den Bewohner*innen. Doch irgendetwas scheint mit ihnen nicht zu stimmen und bald entdeckt John, dass sie alle Verbindungen zu einer psychiatrischen Klinik haben...

Das Buch ist gut geschrieben und schafft es über lange Zeit den Spannungsbogen aufrecht zu halten: Wer sind die Bewohner*innen des Hauses wirklich? Warum haben sie John aufgenommen? Eine Auflösung im umfassenden Sinne gibt es auch zum Ende des Buches nicht, was mich etwas frustriert hat. Ich bin da doch für klarere Verhältnisse. Auch der Erzählstil, der zwischen verschiedenen persönlichen und umfassenden Perspektiven wechselt, hat mich stellenweise irritiert und nicht überzeugt. Das größte Manko an dem Buch bleibt aber meiner Meinung, dass die Charaktere zu wenig Tiefe haben - ich mag es lieber, wenn ich mehr über die Personen in einem Buch weiß.

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T.C. Boyle "Das wilde Kind"

Im Jahr 1797 entdecken die Bewohner*innen eines kleinen Dorfes in Südfrankreich, dass ein Junge allein  in den Wäldern lebt. Jegliche Versuche Kontakt mit ihm aufzunehmen, scheitern zunächst, das Kind beherrscht offenbar die menschliche Sprache nicht. Nach einiger Zeit gelingt es, ihn zu fangen und in eine Anstalt für Taubstumme zu bringen. Hier nimmt sich ein junger Arzt des Jungen an und will ihn an das Leben in der Zivilisation gewöhnen. Doch alle seine Bemühungen sind schlussendlich zum Scheitern verurteilt...

Boyle greift in dieser Erzählung ein klassisches Motiv auf, wie es auch in anderen Geschichten um Wolfskinder oder mit anderen Konnotationen Kaspar Hauser auftaucht. Das Ganze liest sich zwar recht unterhaltsam und aufgrund des dünnen Bandes auch kurzweilig - aber ich habe mich gefragt, wozu es diese neue Geschichte um das bekannte Thema braucht? Hier fehlt mir der orginäre Beitrag des Autors, den ich sonst sehr schätze.

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