Buchstabensalat

Pekkala hat sich mittlerweile daran gewöhnt, als Sonderermittler für Stalin tätig zu sein. Ganz so schlecht ist seine Tätigkeit auch nicht, schließlich genießt er eine ganze Menge Privilegien und scheint zumindest vorerst auch vor allen Denunziationen und den damit verbundenen unliebsamen Folgen sicher zu sein. Sein aktueller Fall bringt ihn jedoch bald in Gefahr, all dies zu verlieren. Stalins wichtigstes Geheimprojekt - der Bau eines eigenen sowjetischen Panzers - ist offenbar verraten worden. Pekkala soll nun herausfinden, wer dahintersteckt. Doch noch während er und Major Kirrow in der geheimen Forschungsstätte ermitteln, wird der verantwortliche Ingenieur tot aufgefunden. Ein Unfall? Selbstmord? Pekkalas berühmter Beobachtungsgabe ist es zu verdanken, dass schnell feststeht, dass es sich um Mord gehandelt hat. Doch die Spuren sind rar und selbst die beiden erfahrenen Ermittlern drohen so mancher falschen Spur aufzusitzen. Und die Auflösung offenbart schließlich weniger ein politisches Komplott als vielmehr eine menschliche Tragödie...

Auch der zweite Band der Reihe hat mir wieder sehr gut gefallen - fast noch besser als der erste. Das hat vermutlich damit zu tun, dass hier nicht mehr soviel Erzählzeit darauf verwendet werden musste, die Figuren und die Rahmenhandlung einzuführen, sondern sich der Erzähler völlig auf den Fall konzentrieren konnte. Dieser ist zwar sicher kein Meisterwerk der Krimigeschichte, aber solide gestrickt, spannend aufgebaut und so konstruiert, dass er logisch aufgelöst wird, ohne zu schnell durchschaubar zu sein. Sehr gut eingefangen fand ich auch die historische Stimmung - die konstante Angst der Menschen vor der möglichen Verhaftung, Deportation oder gar dem Tod. Auch die Rückblicke werden jetzt etwas kritischer - was mich im ersten Band ja noch gestört hatte. Zwar wird ein besonderer Fokus der negativen Darstellung auf die Zarin gelegt - doch zumindest an einer Stelle wird deutlich, dass auch der Zar ein kritisch zu beurteilender Charakter ist. Amüsant sind die Geplänkel zwischen Pekkala und Kirrow - und die Geschichte hier endet mit einem sehr gemeinen Cliffhanger. Band drei wird daher sehr sicher in naher Zukunft gelesen.

4

Mörder Anders ist eigentlich gar kein so schlechter Mensch, auch wenn sein Name etwas anderes vermuten lässt. Aber solange er sich von Schnaps und Tabletten fernhält, verliert niemand sein Leben, sondern im schlimmsten Fall höchstens ein paar Zähne. Seinen Hang zur Gewalt machen sich bald eine atheistische ehemalige Pfarrerin und der Rezeptionist seiner Stockholmer Pension zunutze. Das Körperverletzungsunternehmen funktioniert so lange gut, bis Anders sich zum Glauben hingezogen fühlt und Gewalt und Jesus nicht mehr miteinander verbinden will. Dumm nur, dass seine Gefährten noch eine ganze Menge Aufträge angenommen haben und dafür auch bereits das Geld kassierten. Um der Stockholmer Unterwelt zu entkommen, flieht das Trio quer durch Schweden. Als das Geld zur Neige geht, muss eine neue Geschäftsidee her und wieder steht Mörder Anders im Mittepunkt: Er bekommt seine eigene Kirche. Seine Predigten sind zwar etwas eigenwillig und die Messen sehr weinseelig, aber der Rubel rollt wieder für Mörder Anders und seine Freunde. Dumm nur, dass der ehemalige Kirchendiener so gar nicht mit den Veränderungen in der Gemeinde einverstanden ist und auch die Stockholmer Unterwelt hat die Spur des Trios wieder aufgenommen...

Ich denke die Beurteilung dieses Buchs kann man recht kurz halten: ein herrlicher Spaß. Wie schon bei seinem Erfolgsroman "Der Hundertjährige..." hat der Autor erneut ein Talent für skurille Charaktere, Situationskomik und eine feine Ironie in der Sprache, die man meiner Meinung nach einfach mögen muss. Schlichtweg keine Leseempfehlung, sondern ein Lesebefehl. :-)

5

Das Land Albia liegt an der Grenze zur Wildnis und ist schon immer Übergriffen von Trollen, Kobolden oder Irks ausgesetzt gewesen. Doch dieses Mal scheint ein wahrer Sturm aufzuziehen, denn ein mächtiger Magier hat die verschiedenen Völker versammelt und startet einen organisierten, gemeinsamen Angriff auf die Abtei von Lissen Carak. Glücklicherweise hat die dortige Äbtisin gerade aus einem anderen Grund eine Gruppe von Söldnern angeworben, die unter dem Kommando eines mysteriösen jungen Hauptmanns stehen, der von allen nur "der rote Ritter" genannt wird, da er seinen wahren Namen verschweigt. Und genau jener Ritter stellt sich als zentrales Problem in den Plänen seiner Gegner dar - denn er verfügt nicht nur über strategisches Geschick, sondern ist auch ein Magier - der die Kräfte der Wildnis nutzen kann...

Ich habe ziemlich gebraucht, um in die Geschichte hinein zu finden und mit dem Buch warm zu werden. Die vielen Handlungsstränge und Personen sind nicht nur am Anfang verwirrend, sondern bleiben es teilweise bis zum Ende. Ein Personenregister zum Nachschlagen wäre hilfreich gewesen. Positiv fällt auf, dass man dem Autor seine Sachkenntnis in Bezug auf das Mittelalter und den Schwertkampf anmerkt (ein Kollege von mir, der selbst im Bereich des historischen Schwertkampfs unterwegs ist, kennt den Herrn sogar). Was mir nicht so gut gefällt, ist die Vermischung von historischem Mittelalter mit Fantasy. Da steht eine offensichtlich sehr christliche Kirche Magiern, Lindwürmern und Drachen gegenüber. Nicht so ganz meins, wenn ich ehrlich sein soll. Trotzdem hat es das Buch irgendwie geschafft, mich dann doch zu fesseln, insbesondere die rätselhafte Hauptfigur hat es mir dann doch angetan und ich musste einfach weiterlesen. Teilweise war dies aber auch der Not geschuldet - ich hatte etwas Sorge, wenn ich das Buch mal für ein paar Tage weglegen sollte, völlig den Überblick über die Personen zu verlieren. Den Vergleich mit Game of Thrones bzw. A Song of Fire and Ice kann ich irgendwie nicht nachvollziehen - meiner Meinung nach ist das ein recht plumper Werbegag. Trotzdem bin ich jetzt soweit angefixt, dass es zumindest für Band 2 auf jeden Fall noch reichen wird.

3

Früher war Pekkala der oberste Ermittler des Zaren - berühmt für sein exzellentes Gedächtnis und seine Beobachtungsgabe. Dann kam die Oktoberrevolution und Pekkala wurde nach Sibirien in ein Arbeitslager gebracht. Eines Tages steht dort plötzlich ein junger Politoffizier vor ihm: Pekkalas besondere Fähigkeiten werden wieder gebraucht - niemand anderer als Stalin will, dass er in einem äußerst brisanten Fall ermittelt. Er soll die Leichen der Romanows finden oder die noch lebenden Mitglieder der Familie. Was die Kommunisten jedoch vor allem interessiert, ist der sagenumwobene Schatz der Zarenfamilie. Froh seinem Martyrium entkommen zu können, nimmt Pekkala das Angebot Stalins an - und stößt mit seinen Ermittlungen in ein Wespennest, das einen altbekannten, sehr gefährlichen Gegner ans Tageslicht befördert...

Ich mag ja grundsätzlich historische Krimis und die Idee einen solchen in der Sowjetunion zur Zeit Stalins anzusiedeln, fand ich ausgesprochen reizvoll. Es gelingt dem Autor auch sehr gut, das politische Klima dieser Zeit darzustellen, mit allen ihren Besonderheiten und teilweise auch skurillen Geschehnissen. Was man aber definitiv sagen muss, ist, dass sich der Autor nicht unbedingt an historische Gegebenheiten hält, sondern diese auch gerne mal so verändert, wie es ihm gerade passt. Das Geschichtsbild ist einseitig, Kritik an den Romanows wird nicht deutlich, die Zarenfamilie ist das Opfer der bösen Kommunisten. (Da auch der Zar ein sehr repräsiver Herrscher war, wird nicht thematisiert.) Der Kriminalfall an sich ist gut konstruiert, aber durchaus als Standardware zu bezeichnen. Trotz allem hat mir das Buch gut gefallen und ich vermute, dass dies vor allem an der Hauptfigur von Pekkala liegt, der einen als Leser durchaus fasziniert. 

4

Jedes Jahr zur Feier des dreifachen Neumonds lädt das Orakel der Aesol neun Gesandschaften in seinen schwebenden Palast. Diejenige, die das Geschenk überreicht, welches dem Orakel am besten gefällt, darf diesem eine Frage stellen und wird eine absolut wahre Antwort bekommen. Dieses Mal jedoch ist die Stimmung angespannter als sonst, denn unter den Gesandschaften sind auch Vertreter des Schattenkults. Die junge Adäptin Tynay sollte die Nacht eigentlich gar nicht mehr erleben, sondern als Opfer für die Erweckung einer Schattenherrin dienen. Ärgerlicherweise sucht die sich jedoch jemand anderen aus (leider die einzige Person, die in der Lage gewesen wäre, das Geschenk für das Orakel zu erschaffen) und damit bedingt eine ganze Reihe unvorhergesehenen, mörderischer Ereignisse. Die anderen Gesandschaften haben sich gegen den Schattenkult verbündet und bald gibt es die ersten Toten. Tynya sieht sich plötzlich als Anführerin ihrer Gesandschaft und muss sich schnell etwas einfallen lassen, wenn sie nicht nur die Gunst des Orakels, sondern auch ihr eigenes Leben retten will...

Das Buch ist eine Art Spin-Off zu der Trilogie um die Schattenherren des Autors, jedoch ohne an Details der dort erzählten Geschichte anzuknüpfen. Allerdings ist deren Kenntnis durchaus hilfreich, da man sich dadurch schneller in der Welt zurechtfindet. Die Geschichte hat etwas von einem Kammerspiel: Sie ist auf den Ort des Palastes beschränkt und erzählt zeitlich die Ereignisse einer Nacht (jedes Kapitel steht dabei für eine der zwölf Stunden dieser). Trotz all dieser eigentlich viel versprechenden Ansätze will nicht so wirklich Spannung aufkommen. Die Handlung ist nicht komplex genug, die Figuren wirken wie Abziehbilder ohne wirkliche Tiefe oder Faszination. Wirklich schade, denn die Welt an sich birgt durchaus mehr Potenzial, wie die vorherigen Bücher des Autors hierzu gezeigt haben. Leider reicht ein bisschen düstere Magie, finstere Mächte und (um dann vermutlich auf Nummer sicher zu gehen) billige Sexszenen nicht aus, um das Optimale aus einer Geschichte herauszuholen.

2

Die Lage für die jungen Überlebenden von Camp Haven ist alles andere als positiv: Zwar ist es Cassie gelungen, ihren Bruder Sam zu finden und mit ihm und den anderen aus Bens Einheit zu fliehen, doch seitdem ist ihr Retter Evan Walker verschwunden. Die anderen sind der Meinung, er sei tot, doch Cassie will das nicht glauben und weigert sich daher zunächst den mit ihm vereinbarten Treffpunkt so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Doch ewig dort bleiben können die Jugendlichen auch nicht. Ringer wird schließlich losgeschickt zu überprüfen, ob sich erreichbarer Entfernung gelegene Höhlen als Zuflucht eignen. Doch auf dem Weg dahin wird sie von den Aliens entdeckt und gefangengenommen. Währenddessen erreicht zu Cassies großer Freude Evan tatsächlich die Gruppe, doch er ist schwer verletzt und wird darüber hinaus von einem anderen Silencer verfolgt. Ringer wird derweil das Opfer merkwürdiger Experimente der Außerirdischen und entdeckt schließlich, was es mit den Silencern wirklich auf sich hat...

Der zweite Band der Reihe macht nahtlos da weiter, wo der erste aufgehört hat. Erneut führt der Autor seine LeserInnen in eine trostlose, bedrohliche Welt ohne Hoffnung, wo jede/r ein Betrüger sein kann und kleine Lichtblicke ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetaucht sind. In diesem Band spielt Ringer eine weitaus größere Rolle als im ersten und man erfährt einiges über diesen Charakter und ihre Geschichte. Handlungsmäßig passiert deutlich weniger als im ersten Teil, dafür stehen jetzt die inneren Vorgänge in den Figuren mehr im Mittelpunkt. Sprachlich finde ich das Buch für einen Jugendroman sehr auffällig - allerdings im positiven Sinne: Es zeichnet sich durch eine extrem metaphorische, bildreiche Sprache aus, anstelle von Handlungsbeschreibungen finden sich Darstellungen von Gedankengängen, die sehr an Bewusstseinsströme erinnern. Alles in allem ein starkes Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Ich bin gespannt auf Band 3.

4

Am Bahnhof von Exeter wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden, dessen Körper mit rätselhaften Symbolen bedeckt ist. Die Polizei zieht Professor Felix Guichard hinzu, einen Experten für religiöse Kulte und Okkultismus. Doch auch diesem bleiben die Abbildungen zunächst ein Rätsel. Erst als die Verbindungen zu den Zeichen auf einer alten Medaillie des Magies John Dee erkennt, gelingt ihm der erste Schritt zur Lösung des Rätsels. Die Kontaktaufnahme mit der Person, die diese Medaillie damals an ein Museum verkauft hat, löst Felix die Bekanntschaft einer mysteriösen Frau machen. Er ist sich sicher, Jack schon einmal gesehen zu haben - und zwar am Bahnhof als die Mädchenleiche gefunden wurde. Bald ist Felix mit einem Fall konfrontiert, in dem es nicht nur um okkulte Symbole geht - sondern um die Macht Menschen vor dem Tode zu bewahren. Dieses Geheimnis besteht seit der Zeit John Dees, der mit seinem Wissen eine Bedrohung erschaffen hat, die auch Jahrhunderte später noch umgeht...

Die Autorin mischt geschickt Elemente der realen Geschichte, wie die Figuren von John Dee und Elizabeth Barthory, mit einer fantastischen Erzählung. Recht gelungen finde ich dabei die wechselweise Erzählung der Handlung, die einmal in der Jetztzeit mit den Hauptfiguren Felix und Jack spielt, und einmal in der Vergangenheit, wobei die Ereignisse um John Dee, Edward Kelly und Elizabeth Barthory beschrieben werden. Was micht jedoch gestörrt hat, ist, wie wenig Tiefe die Charaktere erreichen: Sie bleiben allesamt sehr blass, ohne eine größere Hintergrundgeschichte und wirken daher sowohl als Personen als auch in ihren Handlungen wie Abziehbildchen der Stereotypen, die sie repräsentieren. Davon abgesehen bietet das Buch nette und ablenkende Unterhaltung - man sollte nur nicht allzu hohe literarische Ansprüche stellen.

3

Die Bibliothek existiert an einem Ort jenseits von Zeit und Raum. Wer sich in ihr aufhält, altert nicht. Ihre Mitarbeitenden verfügen über besondere Gaben, wie eine Sprache, in der man Befehle erteilen kann (ein bisschen wie Magie oder nicht damit verwandt). Ziel der Bibliothekare ist es immer wieder, Bücher zu beschaffen. Zu diesem Zweck werden einige von ihnen in Außeneinsätze geschickt, die teilweise recht gefährlich werden können. Irene ist eine der vielen Nachwuchsbiblithekare, die zu solchen Aufträgen herangezogen wird. Doch ihre aktuelle Aufgabe hätte sie vermutlich nicht angenommen, wenn sie geahnt hätte, was da auf sie zukommt. Im London des 19. Jahrhunderts in einer vom Chaos durchdrungenen Parallelwelt, in der Elfen, Werwölfe und Vampire alltäglich sind, sollen sie und der Lehrling Kai eine seltene Ausgabe von Grimms Märchen beschaffen. Doch das Buch ist offenbar für verschiedenste Parteien interessant und bald sehen sich Irene und Kai mit einem der gefährlichsten Gegner der Bibliothek konfrontiert..

Das Buch stellt eine gelungene Abwechselung im Rahmen der manchmal doch recht einseitigen Fantasyliteratur dar. Eine ungewöhnliche Idee bildet den Hauptplot der Geschichte, ausgeschmückt mit vielen interessanten Ideen und Neuinterpretationen klassischer Elemente (bspw. die Verbindung von Elfen und der Macht des Chaos). Ich hab etwas gebraucht, um wirklich in die Geschichte hineinzufinden, so ganz einfach wird einem das nicht unbedingt gemacht. Doch spätestens ab der Hälfte hat es mich dann doch gepackt und es ist mir gerade abends sehr schwer gefallen, das Buch aus der Hand zu legen. Die Charaktere sind faszinierend und es gelingt der Autorin genau das richtige Mittelmaß zu finden zwischen einer ausreichenden Tiefe der Darstellung der Hauptfiguren ohne gleichzeitig zuviel zu verraten und ihnen das Geheimnisvolle zu nehmen, was sich vermutlich noch auflösen wird. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung - irgendwo habe ich gelesen, dass die Geschichte als Triologie angelegt ist.

4

Marcus Williams und die Shepherd Organisation sind erneut einem perfiden Serienkiller auf der Spur. Er wird "der Anstifter" genannt und sein Modus operandi besteht darin die Familie eines bisher völlig unauffälligen Mannes zu entführen und diesen zu zwingen einen anderen unbescholtenen Bürger zu ermorden, um seine Angehörigen lebendig zurück zu erhalten. Was jedoch außer der Shepherd Organisation niemand weiß, ist, dass sich hinter dem Anstifter Francis Ackerman senior verwirkt, der Vater von Marcus und dem Psychopathen Francis Ackerman junior. Marcus gelingt es seinen Bruder, der sich gerade auf einer Läuterungsmission befindet, zu überreden, sich gefangennehmen zu lassen und ihnen bei der Jagd nach ihrem Vater zu helfen. Doch Ackerman sen. ist selbst für seinen Sohn eine harte Nuss und eine Familienzusammenführung der völlig anderen Art lässt sich die Ereignisse dramatisch zuspitzen...

Die Reihe um Ackerman schafft mich irgendwie. Nachdem ich Band eins einfach nur schrecklich und Band zwei sowie den Kurzroman über Ackerman ziemlich gut fand, ist dieser Band leider wieder ins Mittelmaß mit ähnlichen Fehlern wie der erste Band versunken. Gut gefällt mir, dass Ackerman jun. weiterhin eine große Rolle in der Geschichte spielt und sich immer mehr zu einem faszinierenden, vielschichtigen aber nichtsdestotrotz abartigen Charakter entwickelt. Negativ finde ich seine Wendung zum Guten: Dass er sich plötzlich Marcus so verbunden fühlt und für diesen sogar das Morden aufgibt, erscheint mir nicht direkt logisch und eine weiterführende Erklärung in der Geschichte bleibt aus. Spannend ist auf jeden Fall, dass jetzt auch noch der Vater der beiden mitmischt - ein Charakter, der seinen Sohn an Bösartigkeit um Längen schlägt. Nervig bleibt die Detailverliebtheit in Waffen (ich muss immer noch nicht wissen, wer mit welcher Waffe und mit welcher Munition schießt) sowie die sprachliche Armut. Gleich in zwei Kapiteln bricht zum Ende buchstäblich die Holle aus. (Gähn!) Und dass der Chef der Shepherd Organisation auch im Deutschen "Director" und nicht Direktor heißt, ist hoffentlich nur ein Tippfehler. 

3

Gentry könnte ein ganz normales kleines Städtchen sein, das einfach Glück hatte und immer wieder verschont geblieben ist, während andere Orte unter Wirtschaftskrisen litten. Doch die Einwohner wissen, dass dieses Glück teuer erkauft worden ist. Eine uralte Wesenheit wacht über dem Ort und fordert Blutopfer für ihren Schutz. Immer wieder werden Kinder entführt und gegen Wesen aus der Schattenwelt ausgetauscht, die nach kurzer Zeit unter den Menschen sterben. Malcom, Mackie, Doyle ist einer dieser Wechselbälger, doch im Gegensatz zu allen anderen hat er überlebt, ist mittlerweile 16 Jahre alt, besucht die örtliche Highschool und versucht ein ganz normaler Teenager zu sein. Doch Mackie ist nicht normal: Eisen ist Gift für ihn, er hat superempfindliche Sinne und der lange Aufenthalt in der Menschenwelt fordert langsam aber sicher seinen Tribut: Mackie erleidet immer häufiger Anfälle und fühlt sich schwächer. Die Entführung der Schwester eines Mädchens aus seinem Freundeskreis führen schließlich dazu, dass Mackie immer häufiger in Kontakt mit seiner Ursprungswelt und deren Bewohnern kommt, die er bisher immer gemieden hat. Und schließlich in den jahrzehntelangen Streit zweier Wesen hineingezogen wird, von dessen Ausgang das Leben der kleinen Natalie abhängen wird...

Das Buch hat mir recht gut gefallen. Es ist für die Zielgruppe Jungendliche/ junge Erwachsene geschrieben, was sich auch deutlich an der Alterskonstellation der Hauptakteure sowie der Sprache verdeutlicht. Letztere ist einfach und klar gehalten, allerdings ohne dadurch ins Niveaulose oder Lächerliche abzugleiten. Die Handlung ist spannend aufgebaut und wird gut erzählt - Mackie ist nicht nur Hauptperson, sondern auch Ich-Erzähler, so dass man die Ereignisse aus seiner Sicht erlebt. Er ist ein genauer und kritischer Beobachter, der auch gegenüber seinen eigenen Fehlern nicht unkritisch ist. Die Idee hinter dem Buch ist es eigentlich, die für mich die größte Faszination ausmacht. Hier wird der uralte Mythos der Wechselbälger herangezogen und in ein modernes Umfeld transferiert. Dabei wird zusätzlich durch die Hauptfigur noch die fremde Perspektive aufgegriffen, was einen zusätzlichen Clou darstellt. Alles in allem somit ein gelungenes Buch, das für die Fans von fantastischen Geschichten durchaus zu empfehlen ist.

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