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Buchstabensalat

Christelle Dabos "Die Verlobten des Winters" (Die Spiegelreisende 1)

Vor Jahren ist die Welt in verschiedene Einzelteile, die sogannten Archen zersplittert. Auf ihnen leben die Menschen nun beschützt durch den jeweiligen Familiengeister der Arche und es bilden sich trotz aller Kontakte zwischen den verschiedenen Archen sehr unterschiedliche Bräuche und Gemeinschaften heraus. Die junge Ophelia lebt auf der Arche Anima, deren Bewohner sich alle als Mitglieder einer Familie sehen und über animistische Fähigkeiten verfügen. Ophelia selbst ist zwar unscheinbar und ungeschickt, jedoch mit zwei besonderen Fähigkeiten ausgezeichnet: Sie kann durch Spiegel reisen und Dinge lesen, das heißt Gefühle und Ereignisse sehen, die mit den Gegenständen bzw. den Menschen, die sie in den Händen gehalten haben, verbunden sind. Ophelia durch Tricks bisher zwei Heiraten mit entfernten Vettern entkommen, doch nun ist sie plötzlich die Hauptfigur in politischen Entwicklungen zwischen den Archen. Sie soll einen ihr völlig unbekannten Mann von der Arche Pol heiraten. Ophelia ist nach der ersten Begegnung alles andere als begeistert von dem gefühlskalten Riesen Thorn und auch er scheint sich nicht gerade über seine zukünftige Braut zu freuen. Für die Zeit der Verlobung muss Ophelia bereits mit ihm in seine ewig eisige Heimat reisen, nur begleitet von ihrer Patentante Roseline. Doch die Kälte und die Tatsache, dass sie niemanden dort kennt, werden bald zu ihren geringsten Probleme. Der Pol ist eine gefährliche Umgebung, voller Intrigen und Hass. Ophelia scheint dort überhaupt nicht willkommen zu sein und ihr zukünftiger Mann eine der unbeliebtesten Personen...

Um es kurz zu machen: Dieses Buch ist einfach nur toll. Genial erzählt, mit einer ungewöhnlichen und detaillreichen Welt sowie abwechselungsreichen und faszinierenden Charakteren. Was der Autorin hier gelungen ist, davor kann ich nur den Hut ziehen. Das Buch selbst konnte ich nur schwer aus der Hand legen, so sehr hat mich die Geschichte gefesselt - zum Glück ist Band zwei schon erschienen und der dritte für November angekündigt, so dass ich zumindest in absehbaren Etappen weiterlesen kann. Was der Vergleich mit Harry Potter im Klappentext sollte, hab ich nicht so ganz verstanden. Wem es wie mir geht und wen diese Vergleiche normalerweise immer abschrecken: Tut es in diesem Fall nicht, lest dieses Buch!

5
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Trudi Canavan "Die Begabte" (Die Magie der tausend Welten 1)

Tyen ist Student der Geschichte und Zauberei und Teilnehmer einer archäologischen Ausgrabung. Als er in einem Grab ein altes Buch findet, ist er zunächst enttäuscht, denn das Buch scheint nur leere Seite zu beinhalten. Um so überraschter ist er, als das Buch beginnt mit ihm zu kommunizieren und er erfahren muss, dass Pergama einst Buchbinderin war, bis ihr ein mächtiger Zauberer gegen ihren Willen zu ihrer neuen Existenz verhalf. Tyen sollte Pergama eigentlich den Professoren seiner Universität aushändigen, doch irgendetwas hindert ihn daran und er behält sie heimlich. Als sein Fund schließlich doch ans Licht kommt, scheinen sich seine Befürchtungen zu bestätigen und ehe er sich versehen kann, ist er auf der Flucht vor seinem einstigen Mentor.

In einer andere Welt muss sich Rielle, die Tochter eines Färbers, gegen die Versuche ihrer Mutter zur Wehr setzten, sie in eine der besseren Familien zu verheiraten. Rielles Welt wird von den Priestern der Engel beherrscht und obwohl Rielle sehr gläubig ist, hat sie Geheimnis, das niemand erfahren darf: Sie kann das Wirken von Magie sehen, was bedeutet, dass sie potenziell auch fähig ist, diese selbst auszuüben. Magie zu wirken ist aber nur Priestern erlaubt und Frauen haben damit überhaupt keine Aussichten, dies zu tun. Als Rielle versucht den Priestern zu helfen, eine Magierin aufzuspüren, die andere dazu verführt ihre magischen Fähigkeiten trotz der Verbote einzusetzen, bringt sie sich damit in größte Schwierigkeiten. Die alte Frau, aufgrund ihrer Vorgehensweise nur die Verführerin genannt, hat Rielle nämlich ausgetrickst wie alle ihren anderen Opfer auch. Nun kann nur noch der Einsatz von Magie Rielle helfen, doch wenn die Priester dies erfahren, wird sie selbst zu einer Befleckten und aus der Gemeinschaft verbannt werden - oder noch Schlimmeres...

Das Buch hat mich ebenso zweigeteilt zurückgelassen, wie die Geschichte, die dort erzählt wird. Den Handlungsstrang mit Tyen und dem Buch Pergama fand ich sehr gut - originell erzählt und spannend. Mit der Geschichte um Rielle bin ich hingegen nicht so richtig warmgeworden, fand sie sogar über weite Teile langweilig. Und leider erinnert sie mich sehr an eine andere Reihe der Autorin (Das Zeitalter der Fünf), die ich bereits gelesen habe. Schade, aber schauen wir mal, was die Fortsetzung der Reihe bringt.

3
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C. J. Tudor "Der Kreidemann"

Jahrelang hatte Eddie versucht die Ereignisse seiner Kindheit zu vergessen. Der schreckliche Unfall auf dem örtlichen Jahrmarkt, dessen Zeuge er wurde. Ihre Clique aus Kindheitstagen und wie sie ihre Freizeit miteinander verbracht hatten. Der rätselhafte Eimer mit Malkreide, der als Geschenk für einen von ihnen auftauchte und von dem niemand wusste, wer das Geschenk mitgebracht hatte. Wie sie bald jede*r eine eigene Farbe hatten und sich mit Geheimzeichen Nachrichten übermitteln konnten. Dann tauchten plötzlich weiße Zeichen auf, obwohl niemand von ihnen diese Farbe nutzte. Und schließlich jene Nachricht in weißer Kreide, die sie zu der Mädchenleiche im Wald führte. Jetzt erhält Eddie 30 Jahre später plötzlich wieder Nachrichten in weißer Kreideschrift. Bald wird ihm klar: Er muss in seine Heimatstadt zurückkehren, denn der Mörder von einst wurde nie eindeutig identifiziert. Und nun scheint er wieder umzugehen...

Das Buch ist gut geschrieben, liest sich sehr einfach und damit schnell und erzählt eine spannende Geschichte. Mir hat vor allem der Teil gefallen, der in der Vergangenheit spielte und die Ereignisse der Freunde um Eddie als Kinder schilderte. Die Handlung lebt von einigen überraschenden Wendungen und einer logischen Auflösung - allerdings wartet das Buch auch mit einer echt fiesen Enthüllung am Schluss auf, die ich so nicht erwartet hatte und über die ich, um nicht zu spoilern, nichts genaueres schreiben kann. Ich kann den Roman Thrillerfans nur empfehlen und bin gespannt auf weitere Bücher der Autorin.

4
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Alan Bradley "Todeskuss mit Zuckerguss" (Flavia de Luce 10)

Flavia hat gemeinsam mit Dodger, dem Diener der Familie, ein Detektivbüro gegründet. Doch dass ihr erster Fall sich auf der Hochzeit ihrer Schwester Feelie ergibt, damit hat selbst sie nicht gerechnet. Beim Anschneiden der Hochzeitstorte taucht darin ein menschlicher Finger auf. Flavia und Dodger finden bald heraus, dass er einer berühmten Gitarristin gehört haben muss. Aber wer hat ihn von ihrer Leiche entfernt und warum? Der zweite Auftrag des jungen Detektivbüros scheint da ganz anderer Natur zu sein: Sie sollen herausfinden, wer kompromitierte Briefe an die Tochter eines bekannten Homöopathen gestohlen hat. Flavia und Dodger wollen sich eigentlich lieber weiterhin mit dem Fall des Fingers in der Hochzeitstorte beschäftigen, doch dann wird ihre Auftraggeberin ermordet und bald müssen die beiden erkennen, dass es Zusammenhänge zwischen beiden Fällen zu geben scheint...

Es gibt wenige Buchreihen, die es auch nach mehreren Bänden immer noch schaffen, ihre Qualität beizubehalten. Die Reihe um Flavia de Luce ist meiner Meinung nach eine davon. Auch in diesem, dem mittlerweile zehnten Band, gelingt es dem Autor einen gut konstruierten Kriminalfall zu entwickeln, den Flavia und Dodger mit ihren besonderen Fähigkeiten lösen. Dabei gefällt mir immer mehr, dass Dodger, der ehemalige Diener, eine immer größere Rolle in den Büchern einnimmt und sich zu einem würdigen Partner für die gewitzte Chemikerin Flavia entwickelt hat. Ich bin gespannt auf weitere Fälle für die beiden und muss ehrlich sagen, dass die Reihe meinetwegen noch lange fortgesetzt werden kann.

4
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Claire Douglas "Missing"

Frankie und Sophie waren seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Das ändert sich erst, als Frankie für die letzten Schuljahre auf ein Internat geschickt wird. Erst nach Sophies Studienabschluss treffen sich die beiden in ihrer Heimatstadt wieder. Sophie hat sich verändert: Das einst unscheinbare Mädchen, das immer nur ein Anhängsel ihrer besten Freundin war, hat sich zu einer hübschen und eigenständigen Frau gewandelt. Sie lernt Leon kennen und die beiden verlieben sich ineinander, obwohl Frankie ihre Freundin vor ihm warnt. Doch ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit überschattet Sophies Glück mehr und mehr. Dann ist sie plötzlich verschwunden. Jahre später ruft Daniel, Sophies Bruder, überraschend bei Frankie an, die mittlerweile in London lebt und eine erfolgreiche Geschäftsfrau ist. Ein Fuß in einem Turnschuh wurde gefunden, es könnte der Beweis sein, dass Sophie damals wirklich im Meer ertrunken ist. Er bittet Frankie zu kommen, um ihn bei der Identifikation der Leiche beizustehen. Als Frankie jedoch ankommt, wird ihr bald klar, dass Daniel etwas ganz anderes will: Er hofft auf ihre Hilfe, um Sophies Mörder zu finden. Frankie muss wohl oder übel mitmachen, will sie nicht dabei zusehen, wie das gut gehütete Geheimnis von Sophie und ihr möglicherweise ans Tageslicht kommt...

Alles in allem ein unterhaltsamer, aber typischer Thriller. Ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das nach und nach enthüllt wird. Immer wieder die Frage, welcher Figur in dem Buch man vertrauen kann, wer die Wahrheit erzählt und wer lügt. Mehrere überraschende Wendungen, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt: Einmal die Gegenwart aus der Perspektive von Frankie und dann die Ereignisse, die zu Sophies Verschwinden und wahrscheinlichem Tod führten aus der Sicht von Sophies Tagebucheinträgen. Das gelingt recht gut und lässt sich auch klar auseinanderhalten, so dass man als Leserin nie rätseln, wann etwas gerade handelt. Die Wendungen der Geschichte sind gut konstruiert, überraschend, aber nie unlogisch. Das Buch ist sicher literarisch kein großer Wurf, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

3
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Nora Bossong "Schutzzone"

Mira arbeitet in Genf für die Vereinten Nationen. Abgesehen vom Lesen und Verfassen unzähliger Berichte über die Katastrophenherde der Weltgemeinschaft besteht ihr Job darin durch die Genfer Hotels zu tingeln und in vertraulichen Gesprächen die Vertreter*innen verschiedener Konfliktparteien zur Einigung zu überreden. Mira hat dabei eine besondere Gabe: Sie kann auf eine Art zuhören, die ihr Gegenüber dazu verleitet, Dinge zu erzählen, die er*sie eigentlich gar nicht so offen sagen wollte. Doch als Mira Milan wiedertrifft, in dessen Familie sie einst als Kind einige Monate nach der Trennung ihrer Eltern lebte, scheint ihr wohlgeordnetes Weltbild zusammenzubrechen. Hals über Kopf lässt sie sich auf eine Affäre mit dem verheirateten Mann ein, obwohl ihr klar ist, dass er seine Frau und seinen Sohn nie verlassen wird. Gleichzeitig beginnt sie immer mehr, die vermeindliche Neutralität der UN zu hinterfragen, ebenso wie ihre eigene Rolle. War sie während ihres Einsatzes in Burundi vor dem Genozid dort, wirklich so unparteiisch, wie sie bisher dachte und eigentlich hätte sein sollen...

Ich hatte mir von dem Buch weitaus mehr erwartet. Die angekündigte Reflexion über Wahrheit und Neutralität habe ich - wenn überhaupt - nur in Ansätzen gefunden, was sehr schade ist. Die Geschichte und ihre grundlegende Idee hätten nämlich viel Potenzial dazu geboten. Auch bleibt mir zu vieles unklar, insbesondere was Miras Rolle im Burundi-Konflikt angeht. Die Sprache des Buches ist ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig, die Autorin neigt zu extrem langen Schachtelsätzen deren Funktion sich mir nicht erschlossen hat. 

2
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Laini Taylor "Dreams of Gods and Monsters" (Zwischen den Welten 3)

Karou und die Chimären können es nicht fassen: Die Seraphim sind in der Welt der Menschen aufgetaucht und werden natürlich begeistert empfangen. Schließlich entsprechen sie dem Bild der Engel vieler Religionen. Und sie verstehen es hervorragend, diesen Vorteil auszunutzen: Sie warnen die Menschen vor der Bedrohung durch Monster, mit denen sie sich im Krieg befinden und vor denen sie auch die Menschen beschützen wollen. Der geheime Plan der Seraphim ist nämlich, an menschliche Waffen zu gelangen, diese nach Eretz mitzunehmen und damit dem Krieg zwischen Seraphim und Chimären ein für alle Mal zu ihren Gunsten zu beenden. Karou und Akiva ist klar, dass sie das nicht zulassen können und so verfolgen sie einen irrwitzigen Plan: Akivas Brüder und Schwestern mit der verbliebenen Chimärenarmee zu vereinen, um so wenigstens eine kleine Chance zu haben. Doch das Vorhaben stellt sich als genauso schwierig wie erwartet heraus: Beide Seiten misstrauen einander, wo sie nur können, und die Ereignisse der Vergangenheit lassen niemanden los. Dann hat Karou eine Idee, die vielleicht ihrer aller Rettung sein könnte, doch dazu müssen sie und Akiva zurück in die Menschenwelt. Dort ist mittlerweile das alte Lager der Chimären in der marrokanischen Wüste gefunden worden - und damit auch die Leichen derer, die Karou nicht wiederbeleben konnte. Die Genetikerin Eliza wird von der amerikanischen Regierung mit ihrem Doktorvater dorthin gebracht, um die Leichen genetischen Untersuchungen zu unterziehen. Dabei entdeckt Eliza, dass sie mehr mit den aufgetauchten Seraphim verbindet, als ihr lieb ist - und dass niemand seiner*ihrer Vergangenheit entkommen kann...

Der dritte und letzte Band der Reihe holt noch einmal zum großen Rundumschlag aus und bringt alle Handlungsstränge zu einem - mehr oder weniger guten - Ende. Ich war zunächst überraschend, dass mit Eliza noch ein neuer Hauptcharakter und Handlungsstrang eingeführt wurde, doch dieser passte schließlich sehr gut in die Geschichte und war für die Auflösung der Haupthandlung auch unbedingt erforderlich. Der Umfang des Buches mag vielleicht zunächst abschreckend wirken, ich kann jedoch versichern, dass es sich wirklich gut liest und keine Längen aufweist, durch die man sich als Leser*in durchquälen müsste. Ich bin gespannt auf eine neue Serie oder auch nur ein neues Buch der Autori. Nach dieser sehr guten Trilogie würde ich gerne weitere Bücher von ihr lesen.

4
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Andreas Brandhorst "Das Flüstern"

Der achtjährige Nikolas überlebt wie durch ein Wunder ein als Autounfall getarntes Attentat, bei dem seine Eltern sterben. Kurze Zeit später wird er entführt, kann aber entkommen, da jemand die Entführer tötet und danach spurlos verschwindet. In seinem Umfeld sind sich alle einig: Der Junge muss einen Schutzengel haben. Und tatsächlich gibt es da ein Wesen, mit dem Nikolas kommuniziert und das ihn beschützt. Nikolas ist zwar mathematisch hochbegabt, aufgrund seines Autismus und der Synästhesie halten ihn viele jedoch für geistig etwas zurückgeblieben. Dann jedoch erhält er plötzlich die Chance, auf eine Privatschule in der Schweiz zu wechseln, die Schüler*innen mit besonderen Begabungen fördert. Zunächst ist Nikolas angetan von der Idee, denn auch seine Freundin Sonja wird zukünftig diese Schule besuchen. Doch bald merken die beiden Kinder, dass etwas mit ihrer neuen Schule nicht stimmt. Merkwürdige Untersuchungsmethoden, häufige Fiebererkrankungen und immer wieder verschwindende Schüler*innen erregen ihr Misstrauen. Als die vermeindlichen Lehrer*innen schließlich mit immer rabiateren Mitteln versuchen, Nikolas Schutzengel sichtbar machen wollen, kommt es zu fatalen Ereignissen, die Nikolas und Sonjas Leben für immer verändern werden...

Ein wirklich gut geschriebener fantastischer Roman mit tollen Figuren und einer originellen Story. Ich kannte den Autor vorher nicht, auch wenn er offensichtlich bisher schon eine Menge geschrieben hat. Das Flüstern ist mir vor allem aufgrund des silbernen Covers aufgefallen - wobei ich nicht finde, dass das Titelbild auch nur irgendetwas mit der Handlung des Buches zu tun hat (der Klappentext passt auch mal wieder nicht so ganz). Mir hat vor allem gefallen, dass mit Nikolas ein sehr ungewöhnlicher Hauptcharakter vorherrscht und dessen Perspektive sehr überzeugend dargestellt wird. Das Buch hat natürlich noch weitere coole Elemente - es fällt mir nur gerade schwer, diese zu benennen ohne zu spoilern (und umschreiben ist leider auch nicht...). Von daher: Wer fantastische Romane mag, dürfte mit diesem Buch nicht viel falschmachen und sich hoffentlich ebenso gut unterhalten fühlen wie ich.

4
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Matthias Brandt "Blackbird"

Morten ist Fünfzehn und lebt in den 80er in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Seine Pläne für die Zukunft sehen so aus, wie die von vermutlich allen Teenagern: die Schule halbwegs geräuschlos hinter sich bringen und das Abi irgendwie schaffen, erste Erfahrungen mit Alkohol sammlen, zum Raucher werden und sich vielleicht auch mal verlieben. Dass sich seine Eltern gerade scheiden lassen, damit kommt Motte, wie ihn alle nennen, noch gut zurecht - die beiden haben nie eine besonders glückliche Ehe geführt und er ist froh, dass der ganze Stress vorbei ist. Doch dann bekommt er plötzlich einen Anruf, der sein Leben völlig verändert: Sein bester Freund Bogi ist krank - Krebs. Als Motte sich dann auch noch das erste Mal richtig verliebt, muss er erfahren, wie nah Freunde und Trauer, Leben und Tod sich manchmal sein können...

Klar kenne ich Matthias Brandt als Schauspieler. Dass er auch Bücher schreibt, war mir nicht bewusst, bis mir mein lokaler Buchhändler eine Leseprobe dieses Romans in die Hand drückte. Ich war erst skeptisch, eigentlich lese ich privat ganz andere Genre, fand aber, dass ich, wenn ich sie schon mal hatte, auch die Probe lesen konnte. Mich hat diese so begeistert, dass ich mir kurz danach tatsächlich das Buch gekauft habe. Matthias Brandt ist ein toller Erzähler, der eine mit der Hauptfigur Morten einen hervorragenden Ich-Erzähler geschaffen hat. Als Leser*in kann man völlig mit ihm mitfühlen und fühlt sich mehrfach an die eigene Jugend und ähnliche Fragen, wie die vor denen Morten steht, erinnert. Dabei erweist sich Brandt nicht nur als ein genauer Beobachter von Menschen und ihren Eigenarten, sondern stattet Morten auch mit einem sehr feinen Humor aus. Ich kann Blackbird uneingeschränkt empfehlen.

5
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Brian McClellan "Schicksalswende" (Die Powder Mage Chroniken 2)

In Adro sieht die Lage nach dem Sturz und Tod des Königs nicht gerade gut aus. Das benachbarte Königreich Kez, schon lange der Erzfeind der Nation, hat die Gunst der Stunde genutzt und greift an. Feldmarschall Tamas versucht in einem verzweifelten, aber genialen Plan dem Gegner in die Flanke zu fallen, doch offenbar gibt es Verräter in den eigenen Reihen und ehe Tamas sich versehen kann sind er, seine gesamten Pulvermagier und seine besten Soldaten von der Armee abgeschnitten und sitzen auf der falschen Seite der Grenze fest. In einem Gewaltmarsch ohne die notwendige Ausrüstung und mit viel zu wenig Proviant versuchen die Männer ihr Heimatland wieder zu erreichen, bevor sie der Kavallerie der Kez, die sich an ihre Fersen geheftet hat, in die Hände fallen. Taniel, Tamas Sohn, hat seinen Angriff auf den Gott Kresimir nur knapp überlebt und versucht seine Gefühle im Rauschgift zu ersticken. Als das nicht funktioniert, befehligt er sich selbst an die Front, muss aber schnell feststellen, dass die neue Armeeführung nichts mit seinem Vater gemein hat, den man für tot hält. Taniel macht sich mehr Feinde als Freunde unter den Generälen und lässt sich vom Koch Michail schließlich dazu überreden, sich in geheimer Mission ins Feldlager der Kez zu schleichen. Zu seinem großen Pech steht er hier plötzlich wieder dem Gott Kresimir gegenüber, der sich noch sehr gut daran erinnert, dass Taniel ihm ein Auge ausgeschossen hat. Währenddessen sucht der Ermittler Adamat weiterhin seine Familie, um sie aus den Klauen des rätselhaften Lord Vestras zu befreien. Als ihm dies mit Hilfe des Priviligierten Bo schließlich gelingt, ist seine Freunde nur kurz: Vestras hat seinen ältesten Sohn in die Sklaverei nach Kez verkauft. Angeblich sei sein Sohn ein Pulvermagier und was die Kez mit diesen machen, möchte sich Adamat lieber nicht ausmachen. Verzweifelt setzt er alles auf eine Karte, um ihn zu finden. Gleichzeitig tritt ein neuer Spieler den Auseinandersetzungen um die Macht in Adro bei und dieser scheint einen guten Plan zu haben...

Der typische zweite Band einer Reihe. Nachdem die Figuren und die Handlung eingeführt wurden, werden die einzelnen Stränge vertieft und vor allem die Dramaturgie befördert, indem es immer mehr Rückschläge für die Held*innen gibt. Genau nach diesem Muster funktioniert auch dieses Buch, was ich etwas schade finde. Ich hatte mich nach dem sehr guten ersten Band auf etwas mehr als diese Durchschnittskost gefreut. Die Welt hätte sicher mehr geboten. Stattdessen werden meiner Meinung nach zu viele Schlachten beschrieben, was mich bei Fantasy immer langweilt. Ich hoffe trotzdem auf den letzten Band der Trilogie, um die Serie zu einem würdigen Abschluss zu bringen.

3
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Horch und Guck: 
 

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