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Buchstabensalat

Andreas Gruber "Rachesommer"

Die Wiener Anwältin Evelyn Meyers will eigentlich nur beweisen, dass ein befreundeter Bauunternehmer nicht schuld daran ist, dass ein bekannter Kinderarzt in einen Kanal gestürzt und dort ertrunken ist. Doch ihre Ermittlungen führen sie plötzlich auf die Spur einer jungen Frau, die nicht nur vor seinem Tod mit dem Kinderarzt zusammen gesehen wurde, sondern sich nachweislich auch in der Nähe anderer Männer aufhielt, die kurze Zeit später ums Leben kamen. Als auch ein Kollege unter den Opfern ist, erwacht Evelyns Ermittlerinnendrang komplett. Gemeinsam mit dem Privatdetektiv Patrick Kragler verfolgt sie die Spur der schönen Unbekannten nach Deutschland. Dort trifft sie auf den Leipziger Kriminalkommissar Walter Pulaski, der eine Mordserie unter jungendlichen Insassen psychiatrischer Anstalten untersucht. So unwahrscheinlich es zunächst auch scheint, doch die beiden Fälle hängen zusammen. Evelyn und Walter sind auf der Spur einer Rächerin - und jemandem, der verhindern will, dass sie ihn findet...

Mit diesem Buch habe ich in eine weitere Reihe des Autors reingelesen - offenbar schreibt er gerne Reihen und hat ein Faible für ein Frauen-Männer-Gespann als Protagonisten. Der Fall war auch hier wieder sehr gut angelegt und spannend erzählt. Die Idee der Morde nach Geschichten aus dem Buch "Struwelpeter" fand ich wirklich genial und auch die stark psychologischen Passagen haben mir sehr gut gefallen. Walter Pulaski ist ein herrlich grantelnder Ermittler, wie ich ihn mag - nur mit der Anwältin Evelyn Meyers bin ich nicht hundertprozentig warm geworden. Da ist mir irgendwie zuviel weibliches Klischee in der Darstellung. Scheinbar werde ich mit Andreas Grubers Darstellung von Frauen einfach nicht warm.

5
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Mechtild Borrmann "Wer das Schweigen bricht"

Der Hamburger Arzt Robert Lubisch stößt in den Unterlagen seines verstorbenen Vaters auf merkwürdige Dokumente: einen SS-Ausweis und Entlassungspapiere auf den Namen Wilhelm Peters sowie das Foto einer schönen Frau. Lubisch sagt weder der Name noch das Foto etwas. Da ihm die Sache keine Ruhe lässt, beginnt er zu recherchieren. Ausgangspunkt ist der Stempel des Fotostudios, der ihn in das niederrheinische Städtchen Kranenburg führt. Dort lernt er die Journalistin Rita Albrecht kennen, die von Lubischs Geschichte fasziniert ist und beginnt in der Vergangenheit der Stadt und ihrer Bewohner nachzuforschen. Dabei kommt sie offenbar auf eine Spur, der sie besser nicht gefolgt wäre. Jemand scheint alles zu tun, damit die Geheimnisse der Vergangenheit geheim bleiben. Denn Lubisch ist mit den Dokumenten und dem Foto auf eine Geschichte gestoßen, die in den 1940er Jahren begann und erzählt, wie aus Freundschaft und enttäuschter Liebe Katastrophen entstehen können...

Eine Freundin hatte mir das Buch ausgeliehen, weil sie wusste, dass ich historische Krimis mag. Obwohl sie dann meinte, so ein richtiger Krimi wäre es nicht... Dem kann ich mich nicht anschließen, ich finde schon, dass es ein Krimi ist, vielleicht habe ich auch einfach eine weitere Definition dieses Genres. Die Geschichte wird dabei gut erzählt, ist logisch aufgebaut und hat eine recht überraschende, aber logische Auflösung. So mag ich nicht nur Krimis, sondern Bücher generell. Was ich aber schade finde, ist, dass die Figuren alle recht blass bleiben. Wirkliche Charaktere tauchen nicht auf, dabei hätte der Plot durchaus Chancen und Raum dafür gelassen. Schade, dass sich die Autorin hierfür nicht die Zeit genommen hat. Es wäre noch mehr drin gewesen.

3
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Denis Scheck "Schecks Kanon"

Denis Scheck kenne ich - wie vermutlich die meisten - aus dem Fernsehen. Ich mag seine Sendung "Druckfrisch" und hier vor allem seine doch recht spitzzüngigen Kommentare zu den aktuellen Spiegel-Bestsellerlisten. Manchmal war ich aber auch überrascht, wenn ihm Bücher, die ich mochte, offensichtlich auch gefallen hatten. Und nun hat der Literaturkritiker auch noch ein Buch dazu geschrieben, welche 100 Werke der Literatur man gelesen haben sollte. Wollte ich mir das wirklich antun? Ein Blick auf die Liste hat mich dann dazu verleitet, das Buch zu kaufen - und ich war angenehm überrascht bei der Lektüre. Schecks Auswahl ist bunt und spannend. Seine Begründungen zu jedem einzelnen Buch zeigen, dass er vor allem eines ist: ein Liebhaber guter Literatur. Ob es sich dabei um Klassiker oder Neuerscheinungen, namhafte Autor*innen oder Newcomer*innen handelt, ist ihm egal. Bei jedem Eintrag in seinen Kanon wird deutlich, was dieses Buch für ihn so besonders macht. Das gefällt mir wirklich gut. Ich befürchte allerdings, dass ich trotzdem nicht alle seiner Empfehlungen lesen werde, auch wenn er noch so begeistert davon war. Ein paar haben es allerdings auf meinen Wunschzettel geschafft - bin gespannt, wie die Lektüre sein wird.

4
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Sophie Oliver "Die Gentlemen vom Sebastian Club"

Der Sebastian Club in London ist zwar angesehen, allerdings wird seinen Mitgliedern auch nachgesagt etwas exzentrisch zu sein. Kein Wunder also, dass es in diesem Club einen Kreis von Männern gibt, der in komplizierten Kriminalfällen ermittelt. Erstaunlicher schon eher, dass die Herren so erfolgreich sind, dass sie sich mittlerweile selbst die Anerkennung von Scotland Yard erworben haben. Der Vorsitzende der Gruppe hat mittlerweile schon eine neue Aufgabe für sich und seine Mitstreiter gefunden: drei Morde, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben, doch er ist davon überzeugt, dass es doch einen bisher unerkannten Zusammenhang gibt. Die Männer beginnen zu ermitteln und kommen bald einem Geheimnis auf die Spur, dass in die Kindheit der Opfer zurückreicht und sich um einen wertvollen, seit langem verschwundenen Diamanten dreht. Doch so clever die Gentlemen des Clubs auch in ihren Ermittlungen sein mögen, zwei Mitglieder spielen nicht mit offenen Karten...

Mich hat das Buch etwas enttäuscht. Ich hatte mich auf diesen viktorianischen Krimi gefreut, aber irgendwie ist der Funke nicht übergesprungen. Vor allem hat es mir an Atmosphäre gefehlt und die Charaktere blieben einfach zu flach. Der Fall selbst ist recht gut angelegt, schön mysteriös, um dann logisch aufgeklärt zu werden. Warum es unbedingt der Figur von Freddie bedarf, hat sich mir nicht erschlossen, und auch die aufgepropfte Liebesgeschichte war mir too much. Schade, dabei hätte der Plot an sich durchaus Potenzial gehabt.

3
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Andreas Gruber "Todesfrist"

Sabine Nemez arbeitet im München beim Kriminaldauerdienst und ist daher mit Kriminalität und Verbrechen bestens vertraut. Als jedoch ihr Vater, der eigentlich in Köln lebt, plötzlich vor ihr steht und ihr erzählt, dass ihre Mutter entführt wurde, will sie ihm zunächst kaum glaube. Umso mehr, als er erklärt, dass der Entführer ihn vor ein Rätsel gestellt hat, dass er innerhalb von 48 Stunden lösen muss - schafft er dies nicht oder nimmt er Kontakt zur Polizei auf, stirbt ihre Mutter. Als dann jedoch die Leiche ihrer Mutter gefunden wird, muss Sabine erkennen, dass an der Geschichte doch etwas dran ist. Während für die Kolleg*innen vom LKA ihr Vater zum Hauptverdächtigen wird, will Sabine daran nicht glauben und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei macht sie nicht nur die Bekanntschaft des exzentrischen Profilers Maarten S. Sneijder vom BKA, sondern entdeckt auch, dass ihre Mutter nicht das erste Opfer des rätselhaften Entführers war. Die Spuren führen Sneijder und Nemez schließlich nach Wien, wo sie nicht nur den Täter suchen, sondern auch verhindern müssen, dass es weitere Opfer gibt...

Ein recht gut angelegter Thriller mit einem ungewöhnlichen, aber faszinierenden Ermittler*innenduo. Mir hat vor allem die psychologische Komponente an der Handlung gefallen und wie sich langsam aber immer deutlicher die Hintergrundgeschichte des Täters enthüllt hat. Mit Sneijder ist dem Autor echt ein Original gelungen, das sicher noch viel Potenzial für weitere Romane gibt. Die Figur der Sabine Nemez fand ich hingegen etwas ambivalent - ich mag es einfach nicht, wenn Polizist*innen in Fällen ermitteln, die sie selbst betreffen. Aus welchen Gründen das nicht geschehen soll, wird auch in diesem Buch deutlich. Auch finde ich die Kurzbeschreibung der beiden Figuren auf dem Klappentext gendertechnisch sehr unglücklich: Während bei Sneijder eher professionelle Merkmale im Fokus stehen (seine Dienstwaffe etc.), wird bei Sabine Nemez ihr Aussehen sowie ihre Familie beschrieben. Schade, ich dachte, wir wären mittlerweile weiter, was sowas angeht.

4
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Samuel Bjork "Engelskalt"

Ein Mädchen wird ermordet aufgefunden: gekleidet wie eine Puppe, mit Schultasche an einem Baum aufgehängt und einem Schild um den Hals, auf dem steht "Ich reise alleine". Der norwegischen Kripo ist klar, dass sie es mit einem höchstgefährlichen Täter zu hat und so reaktivieren sie Kommissar Holger Munch, der eigentlich in Ungnade gefallen und versetzt worden war. Munch weiß sofort, dass er diesen Fall nicht alleine lösen kann und so sucht er seine ehemalige Mitarbeitern Mia Krüger auf. Er findet sie schließlich auf einer einsamen Insel - und wie erwartet sieht Mia etwas, das bisher allen anderen verborgen geblieben ist: Auf den Fingernagel des Mädchens ist eine Zahl eingeritzt - sie haben es mit einem Serientäter zu tun und dies wird nicht sein einziges Opfer bleiben. Munch trommelt sein altes Team zusammen und obwohl sie mit allen Kräften ermitteln, gibt es bald weitere ermordete Kinder. Mia Krüger weiß, dass sie etwas in dem Fall übersieht, doch es gelingt ihr lange nicht das verborgene Muster hinter den Taten zu durchdringen. Als es ihr schließlich gelingt, ist es beinahe zu spät, denn der Täter hat es in Wahrheit auf ein Mitglied der Ermittlergruppe abgesehen...

Ein hervorragender Krimi in bester skandinavischer Tradition, mit einem extrem düsteren Fall und charakterstarken Figuren. Ich mag sowohl Munch als auch Mia Krüger. Beide sind sehr unterschiedliche Personen, aber jede*r auf eine eigene Art faszinierend und dabei gleichzeitig gute Ermittler*innen, die sich durch Logik und klassische Polizeiarbeit der Auflösung des Falles nähern. Bjork gelingt es dabei auch gut, zu Beginn verschiedene Fäden zu legen und nach und nach aufzudecken, wie die unterschiedlichen Ansätzen zusammengehören. Das führt zu einer logischen, aber (zumindest für mich) unvorhergesehenen Auflösung des Falls. Ich habe das Buch nahezu in einem Rutsch durchgelesen und bin gespannt auf die weiteren Fälle aus der Reihe. 

5
Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)
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Mariette Lindstein "Die Sekte - Es gibt kein Entkommen"

Sofia Baumann hat gerade ihr Studium abgeschlossen und weiß noch nicht, was sie beruflich machen soll. Als eine Freundin sie zu einem Vortrag von Franz Oswald mitnimmt, ist sie fasziniert von dem charismatischen Mann und seiner Idee einer anderen Art zu leben. Sie nimmt seine Einladung zu einer Probewoche bei Via Terra an und stellt fest, dass ihr sowohl Oswalds Programm als auch das Leben auf der einsamen Insel gefällt. So sagt sie schließlich auch zu, als ihr angeboten wird, für Oswald zu arbeiten und die Bibliothek der Gemeinschaft aufzubauen. Anfangs scheint alles ideal zu sein, doch bald kommen Sofia die ersten Zweifel. Die Regeln in der Gemeinschaft werden immer strenger und Oswald entpuppt sich immer mehr als ein sadistischer Tyrann, der seine Mitarbeiter verachtet. Je mehr Sofia herausfindet, desto stärker wird ihr Wunsch Via Terra wieder zu verlassen. Doch das ist schwieriger als zunächst vermutet, denn die Gemeinschaft stellt sich als fanatische Sekte heraus, deren Mitglieder immer noch ohne Zweifel alles glauben, was ihnen Franz Oswald erzählt...

Mich hat das Buch etwas zweispältig zurückgelassen. Einerseits halte ich es für einen wirklich spannenden Roman, der auch recht gut schildert, wie Menschen in die Fänge einer Sekte geraten können und warum es so schwierig ist, sich daraus wieder zu befreien. Der Autorin merkt man dabei an, dass sie hier auf eigene Erfahrungen zurückgreift und diese überzeugend schildert. (Offenbar war sie selbst lange Jahre Mitglied bei Scientology.) Teilweise kommt mir das Buch aber auch etwas zu übertrieben vor. Dass es Menschen wie Oswald gibt, die auf viele Personen beeindruckend wirken und diese manipulieren können, glaube ich ja noch. Aber Oswald scheint es mit nahezu jedem zu gelingen, dem*der er begegnet und seine super erotische Wirkung auf Frauen war mir dann auch etwas too much. Alles in allem aber ein spannendes und gut geschriebenes Buch. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

3
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Soren Sveistrup "Der Kastanienmann"

In Kopenhagen wird die brutal ermordete Leiche einer Frau gefunden, der vor ihrem Tod die Hand amputiert wurde. Als kurze Zeit später eine weitere Frau Opfer eines Mordes wird und ihr beide Hände amputiert wurden, scheint klar, dass es sich um einen Serientäter handelt. Doch was sollen die fehlenden Glieder bedeuten? Und wieso finden sich an den Tatorten kleine Kastanienmännchen. Dann weist eine Untersuchung der Kastanien einen Fingerabdruck nach: Er stammt von Kristine Hartung, der Tochter der Sozialministerin Rosa Hartung. Doch das Verbrechen ist geklärt - Kristine Hartung wurde ermordert, der Täter war geständig und sitzt jetzt in einer psychiatrischen Anstalt. Allerdings wurde die Leiche des Mädchens nie gefunden. Könnte damals ein Fehler passiert sein oder welcher Zusammenhang besteht zwischen der damaligen Tat und den heutigen Morden? Nia Thulin und Mark Hess übernehmen den Fall. Beide sind in der Mordkommission Außenseiter und von ihrem Chef nicht gerade geliebt. Doch auf ihre Art sind sie beide hervorragende Polizisten und stoßen bald auf einige Ungereimtheiten in dem alten Fall. Doch der Mörder scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein und bald ist klar, dass es nicht bei zwei toten Frauen bleiben wird...

Ich mag skandinavische Krimis grundsätzlich gerne wegen ihrer Mischung aus düsterer Handlung und guter Ermitlungsarbeit, die von Kriminalist*innen geleistet wird, die auch als Charaktere spannend sind. Genau diese Elemente zeichnen auch das vorliegende Buch aus, das einen wirklich spannende Geschichte erzählt. Die Auflösung wird - wie erwartet - in seelische Abgründe und ich würde das Buch auch niemandem empfehlen, der zart besaitet ist. Wer jedoch Freude an solider skandinavischer Krimikost hat, der sollte zumindest mal reinlesen.

4
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Craig Russell "Wo der Teufel ruht"

Prag 1935: Der junge Psychiater Viktor Kosarek tritt eine neue Stelle in einer modernen Klinik an. Sein Ziel ist es nicht nur, seine Patient*innen zu heilen, sondern auch seine Theorie zu beweisen. Als Anhänger Jungs glaubt er, dass es einen Archetyp in jedem Menschen gibt, durch den sich das Böse manifestiert. Kosarek bezeichnet dies als Teufels-Aspekt und er glaubt, dass manche Menschen diesen Teil ihres Selbst besser kontrollieren können als andere. Seine neue Stelle bietet ihm dabei hervorragendes Studienmaterial, denn seine Patient*innen sind die sogenannten "Satanischen Sechs", die sechs berüchtigsten Mörder*innen der Tschechoslowakei, die in der Klinik untergebracht sind. Nach ersten Fehlschlägen gelingt es ihm schließlich bei einem Patienten zu etwas durchzudringen, dass der Teufels-Aspekt sein könnte. Doch etwas an der Manifestitation, die sich Mr. Hobbs nennt, erscheint Kosarek merkwürdig. Bald muss er anfangen sich zu fragen, was er wirklich entdeckt hat. Währenddessen geht in Prag ein brutaler Mörder, der von der Bevölkerung Lederschürze genannt wird. Die Ermittlungen berühren schließlich auch Viktor Kosarek, dem ein schrecklicher Verdacht kommt: Könnte sein Freund Filip der Täter sein?

Ein sehr gelungener Roman, der lauter Elemente beinhaltet, die ich mag: ein spannendes historisches Setting mit Prag im Jahr 1935, wobei sich in der Geschichte die Spannungen in der Stadt und politischen Landschaft gut widerspiegeln. Die Handlung um den jungen Psychiater und seine Theorie fand ich ebenfalls sehr gelungen, besonders interessant fand ich die Sitzungen, in denen die Geschichte der sechs Patient*innen rekonstruiert wurde. Dass in dem Buch auch ein fantastisches Element mitspielt (hoffe gerade nichts zu spoilern), hatte ich anhand des Klappentextes nicht vermutet. Mir hat dieser Aspekt zwar gut gefallen, aber ich finde es immer unglücklich, wenn sich so etwas nicht im Klappentext für die Auswahl eines Buches zumindest andeutet. Trotzdem aber eine absolute Leseempfehlung, ich hab das Buch in zwei Tagen nahezu verschlungen.

5
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Christelle Dabos "Das Gedächtnis von Babel" (Die Spiegelreisende 3)

Fast drei Jahre sind seit jenen Ereignissen auf der Arche Pol vergangen, bei denen Ophelia ihren Mann Thorn zum letzten Mal gesehen hat. Seitdem weiß niemand wohin Thorn verschwunden ist und Ophelia ist zurück nach Anima beordert worden. Unterstützt von ihrem Großonkel forscht sie heimlich weiter - nicht nur, um Thorn zu finden, sondern auch um mehr über Gott, die Versplitterung der Welt und die Familiengeister zu erfahren. Schließlich deuten erste Hinweise auf die Arche Babel, einen aus mehreren kleinen Archen bestehenden Staat, in dem Ordnung und Gehorsam an erster Stelle stehen und der von den Zwillingen Polux und Helene beherrscht wird. Mithilfe des einstigen Botschafters Archibald gelingt es Ophelia nach Babel zu gelangen und dort unter einer neuen Identität unerkannt zu bleiben. Als Eulalia tritt sie den Vorboten Lady Helenes bei, einer strengen Ausbildungsakademie, die Ehrgeiz und Egoismus unter ihren Schüler*innen fördert, denn nur eine*r wird nach Abschluss des Jahres die begehrte Beförderung erhalten. Doch Ophelia will sich Zutritt zu jenem Ort verschaffen, an dem das Gedächtnis von Babel liegt - und dies scheint sie nur als Vorbotin zu können. Die Ausbildung ist für sie kein Zuckerschlecken und die anderen Schüler*innen sind auch keine Unterstützung. Dann passieren rätselhafte Unglücke und Ophelia befürchtet, dass dies etwas mit Gott zu tun haben könnte. Doch eines dieser Unglücke hilft ihr auch weiter: Als Ersatz für eine andere Auszubildende soll sie deren Aufgaben übernehmen und erhält dadurch plötzlich Zugang zu Geheimnissen, die ihr bis dahin verschlossen waren. Als Ophelia jedoch Sir Henry gegenübersteht, dem Herrscher über das neue Katalogisierungssystem der Bibliothek, verschlägt es ihr die Sprache. Denn Sir Henry ist ein alter Bekannter...

Der dritte Band der Reihe ist etwas schwächer als die beiden Vorgänger, hat mich aber dennoch begeistert. Für mich hat die Geschichte sich etwas Zeit zum Durchschnaufen gelassen, bevor es im vierten und voraussichtlich letzten Band weitergeht. Dabei finde ich das Buch weder langweilig noch langatmig, es trägt nur zunächst wenig zur Hauptstory bei. Babel ist eine recht faszinierende Welt, wobei ich aber froh bin, dort nicht leben zu müssen. Auf jeden Fall heißt es nun sehnsüchtig auf Band vier zu warten.

5
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