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Buchstabensalat

J.M. Miro "Ganz gewöhnliche Monster"

Schottland 1882: Das Cairndale Institut ist ein Ort für Menschen mit besonderen Fähigkeiten, die sogenannten Talente. Dr. Henry Berghast schickt seine Mitarbeiter*innen durch die gesamte Welt, um Kinder mit Talenten zu finden und in sein Institut zu bringen. Hier können sie die Schule besuchen und werden im Umgang mit ihren besonderen Fähigkeiten unterstützt. Doch das Institut ist nicht nur ein Ausbildungsort: Es sichert den Übergang zwischen der Welt der Lebenden und jener der Toten. Vor einigen Jahren jedoch hat eine mächtige dunkle Kreatur, die Drughr, einen Weg gefunden zumindest teilweise in die Welt der Menschen zu gelangen. Sie zog Jacob Marber, einen Staublenker, auf ihre Seite, der seitdem gegen das Institut arbeitet. Besonderes Interesse scheint er an einem Kind zu haben, das gerade nach Cairndale gebracht wird: dem kleinen Marlowe, dessen Haut blau leuchten kann. Doch Marlowe kann viel mehr als nur das und bald müssen er und seine Freund*innen erkennen, dass die Rollen von Gut und Böse nicht so eindeutig verteilt sind, wie sie zunächst dachten...

Ich hatte länger überlegt, ob ich mir dieses Buch tatsächlich kaufen soll, den Ausschlag hat dann gegeben, dass die Geschichte in Schottland und im 19. Jahrhundert spielt, also viktorianischen Charme hat. Ich muss gestehen, ich hätte nicht so lange überlegen sollen. Erzählt wird eine spannende Geschichte mit interessanten Figuren und einer innovativen und gut ausgedachten Welt. Es gibt ein paar überraschende Wendungen und am Ende ist der Bösewicht - naja, nicht ganz so böse, und der vermeintliche Retter der Kinder hat überraschende, andere Motive. Das Buch lässt eine Fortsetzung offen - ich weiß allerdings nicht, ob es diese wirklich braucht oder das offene Ende nicht einfach bestehen kann.

4
Durchschnitt: 4 (1 Bewertung)
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C.C. Benison "Tod im Buckingham Palast" (Ihre Majestät ermittelt)

Jane Bee hat ihre Heimat Kanada verlassen, um durch Europa zu reisen, bevor sie sich entscheidet, wie es mit ihrem Studium und dem Leben insgesamt weitergeht. Da ihr das Geld ausgegangen ist, strandet sie bei einer Tante in England und erlangt eher zufällig einen Job als Hausmädchen im Buckingham Palast. Hier hat sie sich schnell mit Robin Tukes angefreundet, der ebenfalls aus Kanada stammt. Jane ist daher entsetzt, als sie von seinem Tod erfährt. Robin galt als depressiv, doch irgendwie will sie nicht an die Selbstmordtheorie glauben. Ihre Majestät, Queen Elizabeth II, übrigens auch nicht. Und so wird Jane plötzlich zur Ermittlerin, die ihre Ergebnisse mit der Monarchin teilt und gemeinsam die nächsten Schritte plant. Dabei stellt sich Jane recht gut an und kommt bald einigen Geheimnissen auf die Spur...

Ich hatte mir das Buch gekauft, weil ich von einem anderen Autor einen Krimi gelesen hatte, in dem ebenfalls die Queen ermittelte und der mir recht gut gefallen hatte. Das Buch hier ist leider anders und nicht so gut. Zunächst finde ich, dass nicht die Queen ermittelt, sondern Jane. Die Queen lässt sich berichten und das war es dann. In der anderen Reihe ermittelt sie natürlich auch nicht selber im klassischen Sinne, aber dort wird deutlicher, dass sie Schlüsse zieht und Ideen hat sowie ihre Mitarbeitenden gezielt zu bestimmten Ermittlungsschritten anleitet. Das fehlt hier leider völlig ebenso wie der dortige britische Humor. Dieses Buch ist ein recht behäbiger Krimi, der sich zwar gut liest, aber abseits vom Setting des Buckingham Palast Durchschnittskost ist. Außerdem hat das Buch in der Auflösung einen Logikfehler. Ich hoffe, ich spoilere hier nicht, aber warum soll sich jemand Sorgen machen, dass ihr Kind eine Krankheit vererbt bekommen haben könnte, wenn sie genau weiß, dass die Person mit der Krankheit nicht der Vater des Kindes ist, sondern mit ihrer Zustimmung nur so getan hat als ob?

2
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Brandon Sanderson "Der Rhythmus des Krieges" (Sturmlichtchroniken 7)

Der Kampf der Menschen gegen die Parschendi auf Roschar geht weiter. Um einen General der herdazianischen Armee auf ihre Seite zu bringen, wird Kaladins Heimartort Herdstein mit allen Bewohner*innen und den vielen Geflüchteten - unter ihnen der als Marder bekannte General - evakuiert. Dabei kämpft Kaladin gegen einen der Verschmolzenen, der über einen Gegenstand zu verfügen scheint, der ihm seine besonderen Kräfte nimmt. Nur mit Mühe übersteht Kaladin die Begegnung, ist danach jedoch psychisch so am Ende, dass Dalinar Kholin ihn vom Kriegsdienst entbindet, obwohl die Vorbereitungen zu einem wichtigen Angriff laufen. Shalan und Adolin reisen erneut nach Schadesmar, um die Ehrsprengsel zu überzeugen, auf der Seite der Menschen in den Krieg gegen Odium einzutreten. Und während die Armee den Turm verlassen, zieht eine feindliche Truppe gegen Urithiuru, die ebenfalls die Fähigkeiten der Strahlenden ausschalten kann - wenn sie erfolgreich sind, verlieren die Menschen einen, wenn nicht sogar den entscheidenden Vorteil in diesem Krieg...

Der siebte Band der Reihe erzählt die Geschichte in der gewohnten Weise weiter und die Komplexität lässt vermuten, dass uns noch einige weitere Bücher erwarten, bis es zum Finale kommt. Was mich dieses Mal enttäuscht hat, ist, dass so wenig passiert. Die Ereignisse in Herdstein zu Beginn werden auf über 100 Seiten geschildert, ohne dass wirklich viel passiert. Dies ist das erste Buch aus der Reihe, das ich über weite Strecken als zäh empfunden habe - ich hoffe, das bleibt die Ausnahme.

3
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C.S. Pacat "Dark Rise"

Die Magie ist in Vergessenheit geraten und nur noch wenige wissen, dass einst der Dunkle König beinahe alles Leben vernichtet hätte. Der Orden der Stewards hat damals gegen das Böse gekämpft und stellt sich ihm auch jetzt noch entgegen - denn es ist dabei zurückzukehren, mächtige Anhänger*innen versuchen die Wiedergeburt ihres einstigen Anführers einzuläuten. Der junge Will Kempen erfährt dies erst, nachdem er versucht hat, sich am Mörder seiner Mutter zu rächen - dem mächtigsten Anhänger des Dunkeln Königs, Lord Simon Creen. Will erfährt, dass seine Mutter eine Nachfahrerin jener "Dame" war, die damals den Dunklen König besiegt hat - doch um seine eigenen Mächte scheint es eher schlecht bestellt. Gemeinsam mit seiner neu gefundenen Freundin Violet, die aufgrund ihrer Familie eigentlich auf der anderen Seite stehen sollte, versuchen sie die Rückkehr des Bösen zu verhindern. Dabei begegnet Will immer wieder James St. Clair, dem wiedergeborenen General des Dunklen. Zwischen den beiden scheint eine Verbindung zu bestehen, die sich Will nicht erklären kann - und die kein gutes Ende nehmen kann...

Das Buch wurde in mehreren Buchhandlungen vom Personal so lobend beworben, dass ich mich zum Kauf entschlossen hatte. Es klang vom Klappentext her interessant und dieser Eidnruck hat sich für mich auch zunächst bestätigt. Die Welt ist ein London, das an das viktorianische Zeitalter erinnert, damit punktet man bei mir schon mal grundsätzlich. Dann fingen die Figuren an, mir immer besser zu gefallen, da sie Tiefe und Eigenarten haben. Als sich die Welt und ihre Geschichte enthüllte, stellte ich fest, dass ich mittlerweile richtig Spaß am Lesen hatte und zunehmend begeistert wurde. Dann kam das Ende und ich kann und werde dieses nicht verraten - aber es gibt eine wirkliche Überraschung zum Schluss, die dazu führte, dass ich das Buch einfach nur genial finde und unbedingt wissen will, wie die Geschichte um Will, Violet und James weitergeht. Also, kurz und gut: von mir eine absolute Leseempfehlung.

5
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Michael Jensen "Blutiger Schnee" (Syndicat Berlin 3)

Berlin 1925: Die Inflation nimmt immer stärker zu und auch die Geschäfte der Sass-Brüder laufen nicht mehr so gut wie sie es eigentlich sollten. Um ein neues Standbein zu entwickeln, lassen sie sich daher mit den chinesischen Triaden ein und sollen für die Heroin im großen Umfang von Hamburg nach Berlin bringen. Doch das große Geschäft erweist sich als harter Brocken: Die Transporte werden überfallen, statt Gewinnen droht Verlust. Offenbar spielt eine weitere Partei mit und diese will nicht, dass das Syndicat ein Stück des neu zu verteilenden Kuchens abbekommt. Zu allem Übel hat Franz Sass sich mit seiner Leidenschaft fürs Safeknacken in eine weitere Bredouille gebracht: Er wurde erwischt und wird nun von einem aufstrebenden Politiker der Rechten erpresst: Joseph Goebbels...

Tja, was kann ich zu dem Buch sagen, dass ich nicht schon zu den beiden ersten Bänden der Reihe geschrieben habe? Es ist einfach wieder ein sehr guter historischer Krimi mit einer anderen Perspektive. Wieder gibt es leichte oder auch größere Freiheiten bei den historischen Wahrheiten, was sich aber nicht negativ auf das Leseerlebnis auswirkt. Mittlerweile ist zu meiner großen Freunde auch ein vierter Band angekündigt worden, es geht also weiter mit der Reihe.

5
Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)
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Michael Tsokos "Zerbrochen"

Rechtsmediziner Fred Abel kehrt wieder in seinen Job zurück, nachdem er durch einen Angriff im Auftrag eines Mannes, den er ins Gefängnis gebracht hat, beinahe gestorben wäre. Das Verbrechen kennt dabei keinen leichten Start in den Job, Abel wird direkt mit dem Fall des Dark Room Killers konfrontiert, wobei es eine Idee von ihm ist, die die Polizei den Täter schließlich identifizieren lässt. Ein Fauxpas führt jedoch dazu, dass Abels Name genannt wird und nun will der flüchtige Mörder Rache nehmen. Abel fühlt sich gar nicht wohl mit dieser Drohung im Nacken, zumal auch seine Kinder gerade zu ihm nach Berlin gereist sind. Als Noah und Manon entführt werden, steht der Täter für ihn daher schnell fest, doch bald muss er feststellen, dass es mehr als eine Person, die ihn unter Druck setzen möchte. Gemeinsam mit seinem Freund Lars Moewig versucht Abel verzweifelt seine Kinder zu finden, doch der Entführer scheint überaus trickreich zu sein...

Auch dieser Band der Reihe arbeitet mit dem üblichen Erzählmuster: Es muss nicht nur einer, sondern gleich drei Fälle gelöst werden - den aus dem Epilog zähle ich mal nicht mit. Erneut ist Abel persönlich in einen der Fälle involviert, ermittelt aber trotzdem. Warum das in der Realität keine gute Sache ist, zeigt dieser Roman meiner Meinung nach unfreiwillig sehr deutlich. Spannend fand ich, dass eine der Fälle auf einem realen Kriminalfall basierte, allerdings in deutlich geänderter Form. Ich finde es wirklich schade, dass der Autor so wenig aus den rechtmedizinischen Aspekten seiner Figuren und Ermittlungen macht - das würde ich wirklich gerne lesen.

2
Durchschnitt: 2 (1 Bewertung)
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Ben Creed "Das dunkle Lied der Toten"

Leningrad 1953: Ein Serienmörder geht in der Stadt um. Seine Opfer tötet er mich zwei Pistolenschüssen und stopft ihnen anschließend ein Blatt Papier mit rätselhaften Nachrichten in den Mund. Major Nikitin, der sich bei seinen neuen Vorgesetzten durch Erfolge beliebt machen muss, um nicht in die Hände des Mannes zu fallen, den er sich bei seinen letzten Ermittlungen zum Feind machte, steht vor einem Rätsel. Er weiß, dass er jemanden mit dem Instinkt zum Ermitteln und dem Auge für Details braucht, die er selbst nicht hat. Und er weiß auch, wer ein solcher Mann ist: Lieutenant Revol Rossel, mit dem er bereits zusammengearbeitet hat. Doch Rossel sitzt in einem sibirischen Gulag und ausgerechnet Nikitin ist verantwortlich dafür. Doch der ehemalige Verhörspezialist der Staatssicherheit weiß, wie er das von Menschen bekommt, was er haben will. Und so ermittelt Rossel plötzlich wieder in seiner Heimatstadt - wo er nicht nur einem Serienmörder aus Rache auf die Spur kommt, sondern auch Hinweisen auf eine gefährliche Waffe, die die Nazis in den letzten Tagen des Krieges auf theoretischer Ebene entwickelt haben. Stalin würde diese sicher gerne in der Praxis erproben...

Auch wenn die bedrückte Atmosphäre des ersten Bandes nicht erreicht wird, hat mich auch dieses Buch wieder fasziniert. Erneut gelingt den Autoren ein toller historischer Krimi mit einer fesselnden Geschichte und gut gezeichneten Hauptfiguren. Über den Bezug zu Nazi-Deutschland war ich erst skeptisch, so etwas hatte ich schon in anderen Büchern gelesen und meist ging es nicht gut, hier aber passt selbst dieses Element. Zusätzlich habe ich auch ein paar neue historische Details gelernt (über Stalins Sohn), was ja auch nicht schlecht ist. Ich bin gespannt auf weitere Bände aus der Reihe, von deren Erscheinen ich ausgehe.

5
Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)
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Fonda Lee "Jade City - Familie ist Pflicht"

Kekon wäre vermutlich ein unbedeutendes kleines Inselreich, wenn es dort nicht etwas Einzigartiges gäbe: die magische Jade, die insbesondere die Einwohner*innen Kekons nutzen können, um schier übermenschliche Fähigkeiten zu erlangen. Nach dem letzten Krieg gegen ausländische Invasoren haben die zwei bedeutendsten Clans den Jadehandel und nahezu das gesamte geschäftliche Leben unter sich aufgeteilt: der No-Peak-Clan und das Bergvolk. Doch dann taucht eine neuartige Droge auf, die es allen Menschen erlauben würde, die magische Jade zu tragen. Das Bergvolk unter seiner aufstrebenden Anführerin will nicht nur an diesem neuen Geschäftszweig verdienen, sondern strebt auch eine Vereinigung aller Clans unter seiner Herrschaft an. Die jungen Anführer*innen des No-Peak-Clans sind von keiner der beiden Ideen begeistert und schon bald tobt ein heftiger Krieg zwischen den beiden Clans und ihren Anhänger*innen in der Hauptstadt, der von allen Beteiligten schwere Opfer verlangen wird...

Ein sehr ungewöhnlicher, aber dadurch gerade richtig guter Fantasyroman. Erzählt wird eine Geschichte, die an einen Gangsterfilm erinnert, der in einem asiatischen Land spielt. Das wird ergänzt um die magische Jade und eine gut gestrickte Familiengeschichte und heraus kommt ein sehr faszinierendes und spannendes Buch. Es hat ein bisschen gebraucht, bis ich mich in die Welt hineingefunden und an die spezifischen Begriffe insbesondere der Clanstrukturen gewöhnt habe (dass der oberste Stratege bspw. der Wettermacher ist, amüsiert mich immer nach). Ich hatte richtig Spaß mit diesem Buch und freue mich auf die weiteren Bände der Reihe.

5
Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)
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Leigh Bardugo "Wer die Hölle kennt"

Wenn es nach der Leitung von Haus Lethe geht, sollte Alex Stern mit der Überwachung der anderen acht Verbindungen von Yale fortfahren und sich nicht mehr um ihren verschwundenen Mentor Daniel Arlington kümmern. Doch Alex hat noch nie das gemacht, was Autoritäten ihr gesagt haben und außerdem ist sie sich sicher, dass Darlington in der Hölle festgehalten wird. Nach einiger Recherche gelingt es ihr, einen Höllenpfad zu finden und Verbündete, die sich an dem Ritual beteiligen wollen. Doch durch eine ungeplante Unterbrechung scheitert ihr Versuch: Darlington steckt zur Hälfte in einem Bannkreis fest, das Tor zur Hölle ist geöffnet geblieben und Alex und ihre Mitstreiter*innen werden von den Geistern der Menschen verfolgt, für deren Tod sie verantwortlich waren. Zusätzlich hat Alex altes Leben in Los Angeles wieder Einfluss auf ihre Handlungen in Yale erhalten und bei dem Versuch einen Gangsterboss zufriedenzustellen, macht sie sich auch noch einen Vampir zum Feind. Immer mehr erhärtet sich der Verdacht, dass ein mächtiges Wesen aus der Hölle im Hintergrund die Fäden zieht und einen ziemlich fiesen Plan verfolgt...

Mit der Reihe um Alex Stern zeigt die Autorin meiner Meinung nach hervorragend, was sie besonders gut kann: ungewöhnliche, komplexe und faszinierende Charaktere abseits des Mainstream entwickeln und in eine gute Geschichte integrieren. Wie schon der erste Band hat mir auch dieses Buch sehr gut gefallen. Neben Alex bekommt man auch Einblick in die Hintergründe einiger anderer Charaktere, die ebenfalls so manche Überraschung in Petto haben. Die Story selbst wird konsequent fortgeführt, den ersten Teil sollte man also auf jeden Fall gelesen haben, um alles zu verstehen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht und wann die Fortsetzung erscheinen wird.

5
Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)
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Michael Tsokos "Zersetzt"

Eigentlich haben die Gerichtsmediziner*innen des BKA in Berlin schon genug zu tun: Mehrere Todesfälle in der Stadt sind auf Waterboarding zurückzuführen, es steht der Verdacht im Raum, dass ein ausländischer Geheimdienst hier die Finger im Spiel hat. Dann wird eine Leiche eingeliefert, bei der der Totenschein Darmkrebs als Ursache angibt, doch das Opfer zeigt keine Spuren dieser Krankheit. Stattdessen hat eine Kollegin in der Charité eine merkwürdige Einstichstelle im Knie bemerkt. Bald zeigt sich auch hier, dass es sich um eine Mordserie handelt und der Täter zusätzlich noch junge Frauen als weitere Opfer bevorzugt. Es besteht der dringende Verdacht, dass er gerade mit einem weiteren Opfer beschäftigt ist. Fred Abel kann also nicht über mangelnde Abwechselung klagen, da bittet ihn sein Chef für eine Obduktion nach Transnistrien zu reisen. In dem von der Republik Moldau separierten, international nicht anerkannten Pseudostaat wurden zwei Leichen in gelöschtem Kalk gefunden, beide wurden offenbar vor ihrem Tod gefoltert. Abel soll bestätigen, dass es sich bei den beiden um die Neffen eines reichen Oligarchen handelt. Doch die Reise wird mehr als gefährlich für den Rechtsmediziner, denn wenn sich der Verdacht um die Toten bestätigt, deutet alles auf den ehemaligen Geheimdienstchef Transnistriens als Täter hin. Dieser hat jedoch weiterhin treu ergebene Gefolgsleute, die Abel auch nach seiner Rückkehr das Leben schwer machen, damit seine Analyse das Ergebnis beinhaltet, was sie gerne hätten...

Ich hatte mir von diesem zweiten Band der Reihe um Fred Abel deutlich mehr versprochen. Insbesondere hatte ich einen stärkeren, eigentlich sogar ausschließlichen Fokus auf die Ereignisse in Transnistrien erwartet, aber das war dann irgendwie nur einer von drei Fällen. Und das, was ich vom Autor eigentlich erwartet habe, nämlich den Fall aus der Perspektive der Rechts- oder Gerichtsmedizin zu schildern, passiert mir leider auch zu wenig. Stattdessen werden zunächst mehrere Kapitel darauf verwendet, die Folter der später von Abel zu identifizierenden Männer vor ihrem Tod zu beschreiben und später wird dann immer wieder auf die Perspektive des Serientäters gewechselt, der eine junge Frau in seiner Gewalt hat. Ich habe den Eindruck, dass man hier der Ansicht war, dass das Buch erst durch detaillierte Schilderungen von Gewalt interessant werden würde - für mich hat es genau den gegenteiligen Effekt.

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