Ökonomie 7.0

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Ein etwas ungewöhnlicher Titel, aber nach dem ganzen Web 2.0 Hype muss ich noch mal einen draufsetzen - und Ökonomie 2.0 war auch leider schon vergeben. Hier sollen meine Gedanken zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen erscheinen.

Außerdem sammle ich hier Fallstudien zu interessanten Problemen der angewandten Mikroökonomie – und manchmal auch Makroökonomie.  Zweck der ganzen Mühe ist es, die trockene Theorie etwas anschaulicher werden zu lassen und zu zeigen, wie mit wirtschaftstheoretischen Wissen die reale Ökonomie erklärt werden kann. Sehr frei nach Goethes Faust:

"Grau, teurer Freund, ist die Empirie - Theorie, Theorie!"

Wenn Sie interessante Themen haben, die ich hier veröffentlichen sollte, so schreiben Sie mir doch eine e-mail.

Viel Spaß!

Das schlechte Image und die trotz Lohndumpings relativ (zu den Mitbwerbern dm oder Roßmann) hohen Preise (von einem Billigrambo, wie das ehemalige Nachrichtenmagazin schreibt, kann also schon lange keine Rede mehr sein) haben der Drogeriemarktkette viele Kunden gekostet und sie tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Auch ein kurzfristig versuchter Imagewandel hat das Vertrauen der Verbraucher nicht zurückgebracht. Einen schlechten Ruf "erarbeitet" man sich eben schneller und nachhaltiger als einen guten Ruf aufzubauen. Die Macht des mündigen Verbrauchers hat Schlecker also in die Knie gezwungen und aufgezeigt, dass sich Lohndumping und Schikanen gegen Mitarbeiter (hier) langfristig nicht auszahlen.

Früher, also ganz früher, aber auch gerade erst vor kurzem, da war die SPD noch die Partei der Planwirtschaft und die FDP die Partei der freien Marktwirtschaft (vgl. die Mindestlohndebatte). Jetzt müssen wir alle ganz stark sein:

Immerhin, unter der SPD bewegte sich die Arzneimittelgesetzgebung in Richtung Wettbewerb. Diese Zeiten sind offenbar vorbei. Heute [kommt] der Gesundheitsminister [...] von der FDP, der Partei der freien Marktwirtschaft. Und dieser [...] hat das Kunststück vollbracht, dem zaghaften Wettbewerb auf dem Apothekenmarkt das letzte bisschen Wind wieder aus den Segeln zu nehmen.

Fehlender Wettbewerb im Gesundheitsmarkt, bei den Apotheken im speziellen, ist zum Schaden der Konsumenten, der Versicherungen und der Versicherungsnehmer. Erstere und letztere sind dabei in Personalunion doppelt betroffen. Nutznießer sind allenfalls die lokalen Apotheker, jedoch nicht die Apothekergilde als Ganzes. Wieder einmal beweist die FDP, dass sie überflüssig geworden und zu einer reinen Klientelpartei - die Hoteliers lassen grüßen - verkommen ist.

Man muss einfach die richtigen Anreize setzen. Das dachte sich die Regierung auch bei ihren Spitzenbeamten: "Die Koalition ändert das Gesetz [über die Pensionen von Spitzenbeamten] so, dass bis zu drei Jahre im einstweiligen Ruhestand aufs Ruhegehalt angerechnet werden. Im Prinzip erhöht also Nichtstun den Pensionsanspruch." Und dieser kann bereits nach den drei Jahren Übergangsgeld beginnen. Warum das als  Unterstützung der Fachkräftegewinnung getarnte Gesetz gerade mit Pensionsansprüchen dem Mangel an Experten beheben soll, wird mir nicht klar. Hiermit wird eher der Anreiz für diejenigen erhöht, die früher in den Ruhestand gehen wollen oder die keine weitere Zukunft haben. Und warum diese Bundesregierung plötzlich auf der Suche nach Sachverstand ist, wo sie den bisher zielsicher ignoriert hat...

Dank einer Laune von Mutti steht das Thema Mindestlohn ganz oben auf der innenpolitischen Agenda. Diesmal eben nur nicht von den üblichen Verdächtigen (Gewerkschaften, Linke, SPD) aufs Tableau gesetzt. Der Mindestlohn ruft bei mir allerdings immer noch zwiespältige Meinungen hervor. So schwarz weiß, wie dies immer dargestellt wird, ist es eben nicht. Gemäß dem Motto "grau, teurer Freund, ist alle Theorie" (Goethe) sollte auch der nicht-polemisierende und nicht-ideologiebeladene Ökonom mit der Standardantwort reagieren: "Es kommt drauf an."

Das Spiel von Angebot und Nachfrage sollte eigentlich immer zu einem "schönen" Gleichgewicht führen. Dennoch ist beobachtbar, dass sich auch ineffiziente Technologien am Markt durchsetzen und (vermeintlich) besseren Alternativen standhalten. Man spricht hier auch von Pfadabhängigkeiten, bei der ein einmal eingeschlagener (technologischer) Pfad aufgrund von positiven Feedback-Effekten nicht mehr verlassen wird. Rückkopplungseffekte sorgen dann dafür, dass dieser Pfad auch nicht mehr zu einer vermeintlich besseren Technologie verlassen wird.

Finanzprodukte, insb. Zertifikate sind nicht einfach zu verstehen. Chin Meyer schafft bei Markus Lanz jedoch das unmögliche:

Schlechtem Geld soll man kein gutes nachwerfen. Das ist ein eherner Grundsatz in der Wirtschaft und erst recht in der Finanzbranche. Dies gilt aber grundsätzlich für jedermann (und jederfrau), doch so einfach wie der Satz sich anhört, ist es oftmals nicht. Jede(r) wird wohl schon mindestens einmal vor dem Dilemma gestanden haben.

Bspw. bei einem Gebrauchtwagen, erst recht dann, wenn das Geld nicht so locker sitzt. Lohnt es sich für die Klapperkiste noch einmal neue Sommerreifen zu kaufen? Soll man diese oder jene (kleinere) Reparatur noch durchführen lassen? Oftmals gehen diese - auch kleine - Reparaturen dann schnell in den dreistelligen Euro-Bereich und übersteigen den - häufig allenfalls nur noch ideellen - Wert des Gebrauchten bei weitem.

Wenn man sich die aktuellen Äußerungen des Bundeskartellamts ansieht, dann kann man sich schon die Frage stellen, auf welcher Grundlage dort Entscheidungen getroffen werden. Über das durch das Kartellamt selbstverursachte marktbeherrschende Oligopol und die überraschende Selbsterkenntnis, dass es sich um ein marktbeherrschendes Oligopol handelt, habe ich bereits geschrieben. Diesmal geht es um den Strommarkt:

Nicht nur die ADAC-Mitglieder und BILD-Leser, auch alle anderen Deutschen haben es gewusst, was nun eine Behörde aus dem beschaulichen Bonn nachgewiesen haben will: In Deutschland dominiert ein Oligopol den Tankstellenmarkt, die Marktmacht führt zu überhöhten Preisen. Die fünf größten Mineralölkonzerne Deutschlands haben einen Marktanteil von rund 70%, die beiden Marktführer Aral und Shell dominieren dabei mit knapp 50% Marktanteil den Markt.

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