Plagiat

Die Plagiatsfälle von Guttenplag & Co. haben auch eine gute Seite: die wissenschaftliche Redlichkeit rückt stärker in den Vordergrund. PlagiatsjägerInnen und v.a. -aufklärerInnen, wie Debora Weber-Wulff, fristeten lange Zeit ein Schattendasein in der öffentlichen Wahrnehmung. Auch in der Diskussion mit den StudentInnen kam ich mir oft nicht ernst genommen vor. In zwei Wochen haben wir das erste Post-Guttenplag Seminar; hach, was freu' ich mich drauf.

Hoffentlich - aufgeschreckt durch Guttenberg & Co. -  werden da die Fragen nach dem richtigen Zitieren bohrender werden. Umso wichtiger, dass man sich - angesichts der vielen unterschiedlichen Formalanforderungen - auf einen kleinen gemeinsamen Nenner einigt.

Nun ist es amtlich, der Herr "Dr." hat abgeschrieben. Guttenberg hat zugegeben "handwerkliche Fehler" gemacht zu haben, die es seiner Meinung nach nicht mehr rechtfertigen den Doktortitel zu tragen. Es findet jedoch immer noch eine Vermischung der politischen und wissenschaftlichen Ebene der Plagiatsaffäre Guttenberg statt, an der jedoch unser Sonnenkönig nicht ganz unschuldig ist. Noch stellt sich Mutti vor ihren Verteidigungsminister, nicht ganz zu Unrecht weist sie darauf hin, dass sie einen Verteidigungsminister und keinen Doktor ins Ministeramt berufen hat. Im Augenblick bleibt ihr und dem zweiten, den Guttenberg sein Amt streitig machen könnte (Seehofer), auch nichts anderes übrig. Zu beliebt ist der Kanzler der Herzen beim Volk, zu groß die Gefahr einen Märtyrer, eine(n) deutsche(n) Sarah Palin zu schaffen. Sie warten jedoch nur darauf dem Baron in den Rücken zu fallen - die richtige Position haben sie ja schon eingenommen.

Ich habe lange überlegt, ob ich zu den Plagiatsvorwürfen bzgl. der Dissertation von Karl-Theodor hin und weg Guttenberg etwas schreiben soll. Mein täglich Brot, sprich meine Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der größten deutschen Universität und in diesem Zusammenhang die Betreuung von Studierenden, hat mich doch zu einem Kommentar bewogen.

Die Causa Guttenberg hat zunächst einmal drei Dimensionen, die eigentlich streng voneinander getrennt werden sollten: eine politische, eine rechtliche und eine wissenschaftliche.

Die politische Dimension

Recht entspannt ist die politische Frage. Ein politisches Amt steht und fällt nicht mit einem wissenschaftlichen Titel. Ob Guttenberg seine politische Karriere an den Nagel hängen wird, ist eine Frage, die ganz unabhängig von der wissenschaftlichen Beurteilung erfolgen sollte. Hier geht es allenfalls darum, ob Theo mit dem Makel eines Plagiats selber ein politisches Amt ausfüllen kann und ob er dies noch darf. Dies muss(!) ganz unabhängig davon geschehen, wie die Uni Bayreuth zu einem Urteil kommt. Der politische Schaden hat nichts damit zu tun, ob er aus wissenschaftlicher Sicht seinen Doktorhut behalten darf oder nicht.

Die Möglichkeiten, Studierende bei einem nachweisbaren Plagiat ernsthafte Konsequenzen anzudrohen sind leider immer noch sehr gering. Dies ärgert umso mehr, da das "Aufspüren" und v.a. die Dokumentation sehr aufwendig ist. Leider ist das Unrechtsbewusstsein immer noch nicht allzusehr ausgeprägt. Und die Universitäten bzw. Landesministerien tun sich bisweilen noch schwer mit einschneidenden Änderungen und sind hier auch sehr behäbe. Einen Anfang macht Baden-Württemberg.

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