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Hinrich Lührssen: 25 Prozent auf alles ohne Stecker

Hinrich Lührssen ist mir noch aus früheren Tagen bei Stern TV bekannt (was ich allerdings damals nur sporadisch und seit Jahren gar nicht mehr anschau(t)e). Dort ist er mir v.a. mit seinen Reportagen im Gedächtnis geblieben, bei denen er Werbung beim Wort genommen und die Mitarbeiter der betroffenen Unternehmen an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hatte. Aus diesen Reportagen hat er im letzten Jahr ein Buch geschrieben, das ich mir natürlich schenken lassen musste.

An die Reportage über den Ford Focus, bei dem er die Probefahrt der Rallyfahrerin Claudia K. nachstellt, kann ich mich sogar noch erinnern und beim Lesen der Geschichte hatte ich die entsetzten Gesichter der Autoverkäufer wieder vor Augen. Aber auch bei anderen Geschichten, die man noch nicht aus dem TV kennt, fühlt man sich sofort in den Plot als Beobachter eingebunden. Man kann sich bildlich die Fleischfachverkäuferin hinter der EDEKA Bedienungstheke vorstellen, wie sie verzweifelt versucht exakt 268 g Mortadella abzuwiegen.

Insgesamt war ich dennoch etwas enttäuscht von dem Buch. Dies liegt v.a. daran, dass nur ca. 1/3 der 235 Seiten Geschichten sind, die die "Werbung beim Wort genommen" haben. Ein weiteres Drittel befasst sich mit "Werbedeutsch" von A bis Z, was eine Mischung aus Lexikon und Aufklärung à la abgespeist ist (für deren Leser also nichts Neues). Das letzte Drittel des Buches ist dann eine Übersicht über (vergangene) Werbeikonen. Auch das ist zwar informativ, hat mit dem Titel und den Erwartungen an das Buch jedoch nichts zu tun.

Wenn man sich auf 235 Seiten voll von Geschichten freut, in denen Hinrich Lührssen Werbung beim Wort nimmt, ist dieses Buch auf keinen Fall zu empfehlen. Dann sollte man sich das Geld lieber sparen und eine große Auswahl beim Spiegel nachlesen. Neben den beiden oben verlinkten, wären da noch neben der Titelgeschichte fünf weitere lustige Erzählungen. Wer auch an dem "lexikalischen" Teil Interesse hat und dies bewusst "in Kauf" nimmt, dem kann man das Buch dann durchaus eingeschränkt empfehlen.

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Horch und Guck: 
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