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S. J. Watson "Tu es. Tu es nicht."

Julia Plummer lebt ein beschauliches Leben an der Seite ihres Mannes Hugh. Am wichtigsten ist ihr dabei Sohn Connor. Als ihre Schwester Kate in Paris ermordet wird, bricht die heile Welt jedoch nach und nach zusammen. Kate war auch noch Connors leibliche Mutter, Julia und Hugh haben den Jungen adoptiert, da Kate sich nicht richtig um ihn kümmer konnte. Der Tod ihrer Schwester geht Julia nicht nur aus diesem Grund sehr nahe und da die Polizei ihrer Meinung nach nicht engagiert genug ermittelt, beginnt sie auf eigene Faust zu recherchieren. Die Bekanntschaft mit Anna, der Mitbewohnerin ihrer Schwester, verschafft ihr ein neues Bild von Kate. Hat diese sich wirklich im Internet mit Männern zu Dates verabredet? Könnte einer von ihnen der Täter sein? Julias Ermittlungen lassen sie die Bekanntschaft von Lukas machen. Der Mann gefällt ihr, sie kommen sich näher. Und ehe Julia sich versieht, hat sie, die treusorgende Ehefrau und Mutter, eine Affäre mit einem jüngeren Mann. Doch ist Lukas wirklich der, der er vorgibt zu sein? Warum erscheint er plötzlich an Orten, wo Julia ihn nie erwartet hätte? Könnte er vielleicht doch mit Kates Tod zu tun haben?

Ich hatte mich leider erst nach dem Kauf des Buches daran erinnert, dass ich bereits den Debutroman des Autors gelesen habe und mich dieser schon nicht begeistert hat. Trotzdem wollte ich diesem Buch eine Chance geben, der Klappentext hatte mich neugierig gemacht. Es war leider vergeblich. Wenn der Autor etwas kann, dann ist es, Frauencharaktere zu erschaffen, die so bieder sind, dass sie einem als Leserin nach den ersten 50 Seiten auf die Nerven gehen. Und diese Person muss dann als Ich-Erzählerin bis zur letzten Seite ausgehalten werden. Dabei gerät dann leider völlig in den Hintergrund, dass mit der Geschichte eigentlich interessante Fragestellungen behandelt werden. In diesem Fall jene nach der Akzeptanz des bisherigen eigenen Lebens bzw. der Aufarbeitung der vergangenen Ereignisse - eine Aufgaben, der sich Protagonistin Julia offensichtlich nie gestellt hat. Sie floh vor ihrem alten Leben, schuf sich bzw. ließ sich durch ihren späteren Mann ein neues Leben schaffen und wundert sich nun, dass diese Inszenierung eines Tages in sich zusammenfällt. Interessant auch, wie sich im Laufe der Geschichte zeigt, dass Mut - insbesondere Mut zur Wahrheit - vermutlich die Eskalation zum Finale hin hätte verhindern können. Die Auflösung der Geschichte hat mich dabei in der Tat überrascht, hierauf wäre ich nie beim Lesen gekommen. Auch das offene Ende hat seinen Reiz - leider musste man bis dahin Julia Plummer auf ca 490 Seiten ertragen. Und das ist durch kein noch so geniales Ende aufzuwiegen.

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Horch und Guck: 
 

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