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Robert Jackson Bennett "Silenus"

Der junge George Carole ist ein durchaus begabter Pianospieler, der es in seiner aktuellen Anstellung trotz seiner erst 16 Jahre schon weit gebracht hat. Um so überraschter sind seine Vaudeville-Theater Kollegen als er plötzlich seine Anstellung kündigt und weiterreist. Niemand versteht, was ihn dazu getrieben hat, nur seine Fragen nach der geheimnisvollen Silenus-Truppe sind ihnen im Gedächtnis geblieben. George versucht genau diese Gruppe, die immer nur einen Abend an einem Ort gastiert und nie irgendwo zweimal auftritt, zu finden. Doch es nicht ihre künstlerische Darbietung, die ihn reizt, sondern er ist davon überzeugt, dass ihr Chef - Silenus selbst - sein Vater ist.

Als es ihm schließlich gelingt die Truppe zu finden und einer ihrer Aufführungen beizuwohnen, ist er damit jedoch noch nicht am Ziel seiner Reise - nur schwerlich sind Silenus und seine Künstler davon zu überzeugen, ihn aufzunehmen, was auch nicht besser wird, als er sich als Silenus' Sohn zu erkennen gibt. Bald muss George auch erkennen, dass es einen guten Grund für das zögerliche Verhalten gegeben hat: Die Truppe sind nicht einfach nur Künstler - sie hüten ein uraltes Geheimnis. Und dieses hat ihnen mächtige Feinde eingebracht, die nun auch hinter George her sind...

Mir hat Silenus relativ gut gefallen, es zeigt sich hier wirklich, dass der Autor sich weiterentwickelt hat. Die Charaktere sind besser gezeichnet, die Handlung hat mehr Tiefe und die Ideen, die er hier aufgreift, sind wirklich gut umgesetzt. Dass er sprachlich was drauf hat, hat sich schon im Erstling gezeigt und dies verdichtet sich auch hier. Die Atmosphäre der rätselhaften Theaterwelt wird sehr gekonnt eingefangen und geschildert. Einzig die Hauptfigur hat mich etwas gestört: George ist manchmal ziemlich ätzend und nervig - aber das gehört wohl zu seinem Charakter. Wer etwas andere fantastische Literatur mag, dem kann ich Silenus nur empfehlen.

4
Horch und Guck: