Sie sind hier

Blackfield Festival am 12./13. Juni 2010

So, lange genug gedrückt, jetzt muss ich auch endlich mal meine/unsere Meinung zum diesjährigen Blackfield loswerden. Über die allgemeinen Rahmenbedingungen hatte ich ja bereits letztes Jahr berichtet und in Bezug auf dieses Jahr habe ich dem auch nichts hinzuzufügen. Es bleibt durchweg positiv. Daher mal gleich direkt zu den Bands.

Samstag, 12. Juni 2010

Scream Silence

kenne und schätze ich schon länger, da sie bereits zwei Mal beim Castle Rock in Mülheim waren. Eigentlich hatten wir uns auch fest vorgenommen, uns den Auftritt anzusehen, leider sind wir dann doch nicht so schnell in die Puschen gekommen mit Aufstehen, Sandwiches machen, Rucksack packen und per ÖPNV nach Gelsenkirchen fahren. Als wir durch die Einlasskontrolle durch waren, hörten wir gerade noch die letzten Klänge des letzten Songs. Sehr schade, ich hoffe es war ein guter Gig, der begeisterte ZuhörerInnen gefunden hat.

Jesus on Extasy

haben wir mal wieder boykottiert. Ich finde die musikalisch so lala, den Sänger jedoch sowohl von seinem Auftreten als auch stimmlich einfach nur schrecklich. Nach seinen verbalen Ausfällen bei einem Bochum Total vor einigen Jahren gegen die Zeugen Jehovas muss ich allerdings auch sagen, dass die selbst die beste Band der Welt sein könnten, ich würde mir die trotzdem nicht freiwillig antun. Naja, daher haben wir uns das Gebrüll halt aus sicherer Entfernung angehört bzw. versucht zu überhören. 

Aesthetic Perfection

waren uns völlig unbekannt und haben auch jetzt keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen. Recht solider, harter elektronischer Sound, der Sänger hatte ne ganz gute Stimme und ne tolle Ausstrahlung, aber das hat irgendwie nicht gereicht, mich zu begeistern. Der Drummer hat ne ganz lustige Show geboten mit seinem Megaverbrauch an Drumsticks (hatte vorher noch nie gesehen, dass jemand so viele von den Teilen dabei hat, nach der Show wusste ich warum, da er nach fast jeden Song die beiden benutzten ins Publikum oder auf die Bühne warf).

Girls under Glas

haben wir nur so halb mitbekommen. Wir waren zu dem Zeitpunkt gerade shoppen und die klangen zwar nett, aber nicht so, dass wir unbedingt wieder zur Bühne zurück gehen mussten, um die zu sehen. Solider, aber leider auch unaufgeregter Elektro-Pop. Nett als Vorband, als Hauptact bräuchte ich die nicht.

Zeromancer

waren dann die ersten, die wir uns komplett angehört haben und die wirklich richtig gut waren. Ein sehr gelungener Auftritt, die haben ordentlich gerockt und nebenbei auch noch was für die Augen der Damenwelt geboten, da der Sänger scheinbar unsere recht kühlen Temparaturen für den norwegischen Hochsommer hielt und sich recht schnell seiner Oberbekleidung entledigte. Netter Anblick, wenn man Männer mit Brusthaaren mag. ;-)

Diorama

hatten mich ja schon als Vorband für In Strict Confidence begeistert und waren auch dieses Mal einfach nur genial. Ich liebe es ja, wenn Musiker so richtig bei ihren eigenen Sachen mitgehen und einen als Zuhörer auch emotional mitnehmen können. Diorama und vor allem ihr Sänger verstehen dies einfach perfekt. Trotz Halsschmerzen ertappte ich mich beim Mitsingen und -schreien, Tanzen war selbstverständlich. Sehr gefreut hat mich auch, dass ich nicht die einzige war, der das so ging. Als ich mich mit Leuten hinter mir unterhielt, waren die auch sehr begeistert. Von mir gibt es die Sonderauszeichnung des besten Auftritts des gesamten Festivals.

Vive la Fete

waren dafür eine der schlechtesten Bands, die wir an diesem Wochenende bzw. jemals gesehen haben. Ich mag ja französisch-sprachige Musik, aber das konnte die auch nicht retten. Minimalistischer Elektro-Brei und eine Sängerin, die den Namen überhaupt nicht verdient hat. Die hatte ne Stimme zum Glas-Zersägen. Ging durch und durch. Zusätzlich war es auch noch schrecklich sich die anschauen zu müssen. Sah aus wie gerade aus den 80ern in ihrer schlimmsten Phase entlassen und weil das mit dem Singen bei ihr ja nicht so weit her war, wurden sicherheitshalber munter die Quarktaschen geschüttelt. Die brauch ich definitv nicht noch mal und würde ich auch keinem empfehlen, aber seht selbst:

Deathstars

waren das zweite Highlight des ersten Tages für mich. Auf die Truppe aus Schweden hatte ich mich schon länger richtig gefreut und das nicht zu unrecht. Eine sehr coole, sehr rockige Show, leider wie ich fand zu kurz und eigentlich zu früh. Ich finde im Dunkeln hätte der Gig noch besser gewirkt. Übrigens haben wir bei den Deathstars den bisher präzisesten Soundcheck unserer Konzertgeschichte gehört, zwar mit heftigem russischem Akzent, aber super klaren Anweisungen. Einziger negativer Punkt: Die Jungs haben vergessen Blitzkrieg zu spielen, sehr schade, aber meinen Favorit "Cyanide" gab es.

Covenant

kannte ich bisher nur auf CD, da mag ich sie sehr gerne und daher hatte ich mich darauf gefreut sie live zu sehen. Um so größer war die Enttäuschung, als sie dann begannen. Stalker ist meiner Meinung nach einer ihrer besten Songs, aber live fehlte dem jegliche Power und das galt auch für den gesamten Auftritt. Er war langweilig und wirkte lustlos, alles wurde herunter gespult, der Sänger tänzelte über die Bühne, besitzt aber so was von überhaupt kein Charisma für einen Frontman und die restliche Band hätte genauso gut überhaupt nicht da sein können. Nee, so was brauche ich nicht live, dann verzichtet doch bitte auf Live-Auftritte, wenn ihr es nicht könnt oder wollt, aber dem Publikum so was zu bieten, ist schon fast eine Frechheit.

Front 242

waren dann der Hauptact des ersten Tages. Ich war gespannt auf die großen alten Herren des EBM, obwohl ich kein Fan bin und auch dachte keinen Song zu kennen (hat sich dann herausgestellt, dass das zumindest in einem Fall ein Irrtum war). Im Gegensatz zu Covenant zeigte die Front, wie ein richtig guter Auftritt einer elektronischen Band aussehen kann. Die hatten Power und haben ihr Publikum richtig gut mitgerissen. Für die Nicht-Fans gab es zusätzlich Videos im Hintergrund auf der Bühne, die die Songs gut untermalten. Hat Spaß gemacht, denen zu zusehen und zuhören. Wir sind dann trotzdem etwas eher gegangen, weil uns echt verdammt kalt war. Für Sonntag war klar, dass wir ne zweite Schicht Pullis und ich zusätzlich eine Strumpfhose unter der Jeans brauchten.

Sonntag, 13. Juni 2010

XP8

haben wir dem Ausschlafen geopfert. Laut Ankündigung was elektronisches, da hatten wir am frühen Morgen nicht so wirklich Bock drauf gehabt.

Traumtänzer

waren der Ersatz für Sava, die leider kurzfristig den Auftritt absagen mussten. Wir haben nur die letzten zwei Songs mitbekommen, aber die wirkten sehr gut. Gefallen hat mir auch das Lineup: Geige, Gitarre, männliche und weibliche Vocals. Wow. Da die, wie ich mittlerweile erfahren habe, aus Witten kommen, werde ich mal aufpassen, wann die hier in der Nähe spielen. Würde ich mir zu gerne mal ganz anschauen und -hören. 

Tyske Ludder

waren so überhaupt nicht mein Geschmack. Sehr hartes Zeug, der Bass tat bald im Magen weh und gesungen wurde durch den Verzerrer. Finde ich eigentlich alles ganz okay soweit, aber mir haben da die Melodien gefehlt. Zusätzlich hab ich den Humor von denen nicht verstanden, zumindest glaube ich das. Der zweite Song wurde mit dem Satz "Wir fahren mit dem Panzer nach Afghanistan" angekündigt, da sind wir geflüchtet.

S.P.O.C.K.

waren das Highlight des zweiten Festival-Tages. Selbst Maik, der erst recht skeptisch war, weil er elektronische Musik nicht so gerne und Star Trek überhaupt nicht mag, war begeistert. Warum? Die Jungs sind musikalisch solide, bringen aber eine derart witzige und selbst-ironische Show auf die Bühne, dass man die einfach lieben muss. Wir haben dann schnell gelernt wie "Spock'n'Roll" funktioniert (Singen und Bier trinken). Da die Band noch nie einen so frühen Auftritt hatte, mussten sie laut eigener Ankündigung doppelt so schnell trinken, um betrunken genug für die Show zu sein. Zusätzlich gab es noch einen Auftritt mit einer Riesen-Wasserpistole und eine simulierte Zugabe (Ansage dazu: "Okay, we leave the stage, you go crazy, we come back, now applause!") Der beste Song war natürlich "Never trust a Klingon" und zum Ende wurden wir alle als Mitglieder in die Spock'n'Roll-Family aufgenommen und verabschiedeten uns mit der entsprechenden Geste und dem Satz "live long and prosper".

Sono

mussten leider ausfallen, da die aus Berlin anreisen sollten und dann in ner Autobahnvollsperrung bei Magdeburg festsaßen. Von daher kann ich leider gar nichts zu denen sagen, kennen tu ich sie nämlich auch nicht. Schade nur, dass die Veranstalter S.P.O.C.K. nicht länger haben spielen lassen, Zeit dafür wäre jetzt ja gewesen und ich glaube, die hätten auch Bock gehabt. 

Saltatio Mortis

kennen wir ja schon von zwei (habe ich die wirklich so oft ertragen?) Auftritten beim Castle Rock. Musikalisch finde ich die ganz gut, nur der Sänger kann leider meiner Meinung nach nix. Wir haben den Breitmaulfrosch getauft, weil das sowohl zum Gesicht als auch zur Stimme passt. Die Show war zwar ganz nett anzuschauen und viele Leute hatten auch ihren Spaß dran, aber mir ging die Stimme des vermeintlichen Sängers einfach durch und durch. Als der sich bei einem Song von der Menge vor der Bühne tragen ließ und darum bat ihn nicht fallen zu lassen, ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass das eigentlich nicht so schlimm wäre, dann würde er wenigstens endlich stille sein.

:SITD:

hab ich auch schon ein paar Mal live gesehen und irgendwas fehlt mir bei denen immer. Eigentlich mag ich diesen Musikstil ja ganz gerne, aber abgesehen von "Snuff-Machinery" zünden die Songs bei mir so überhaupt nicht. Und Bühnenpräsenz habe ich leider auch nicht bemerkt, ganz im Gegenteil: Ich wäre da beinahe eingeschlafen, inspiriert vom monotonen Beat. Uups.

OOMPH!

wurde letztes Jahr bereits angekündigt und ich hab damals schon nicht verstanden, wieso einige da jubelten (der Großteil war aber wohl nicht begeistert gewesen). Wir hatten die schon einmal beim Bochum Total gesehen und das einzige, woran ich mich von denen erinnerte, war ein Basssound, der alles übertönte und in Ohren und Magen weh tat. Dieses Mal war es nicht ganz so extrem, aber umgehauen haben die mich wieder nicht. Durchschnittsrock und ein Sänger, der nett anzuschauen ist, aber ansonsten über ein sehr begrenztes Gestikrepertoire verfügt, so dass einem beim Zusehen schnell langweilig wird.

Subway to Sally

haben für uns eine wechselhafte Geschichte. Erst mochte ich sie nur auf Platte und live nicht, weil sie ne Zeitlang den Hang hatten, sehr arrogant auf uns zu wirken. Das hat sich mittlerweile geändert und so freuten wir uns auf die Show. Wir wurden auch nicht enttäuscht: Uns wurde ein sehr gut ausgewählter Mix aus alten und neueren Songs geboten, gute Stimmung und jede Menge schöne Pyrotechnik. Einige der Bandmitglieder spuckten sogar Feuer, wow. Und zum Schluss gab es auch noch Unterstützung an den Dudelsäcken durch Mitglieder von Saltatio Mortis. Schön zu sehen, dass es in der Szene immer noch so viele Musiker gibt, die auch mal Sachen zusammen machen.

Unheilig

waren dann der Top- und Schlussact des zweiten Tages. Schon das Bühnenbild lies ein gutes Konzert erwarten, die traditionellen Kerzen wurden mit einem Schiffsbug ergänzt, thematisch genau passend zum aktuellen Album "Große Freiheit". Zusätzlich gab es noch eine Videoleinwand, auf der abwechselnd Clips und, wie ich dann überrascht feststellte, Livebilder quasi als Dopplereffekt gezeigt wurden. Lustig quasi zwei Mal das Gleiche zu sehen. Gespielt wurde natürlich einiges vom neuen Album, das ich nicht kannte, aber auch die alten Hits waren dabei und wir haben noch mal richtig tanzen können. Hatte ich eigentlich schon mal erwähnt, dass Unheilig eine der Bands ist, denen ich ihren Mainstreamerfolg gönne? Was ich mehrfach beobachten konnte, wie viel Zeit sich der Sänger vor und nach (sic!) Auftritten für Fans nimmt, Autogramme schreibt und Fotos machen lässt, ist wirklich enorm und da verstehe ich, wieso Leute die so mögen.

Tja, was bleibt mir abschließend zu sagen: Ich bin gespannt auf die Bands für das nächste Jahr, da ich eigentlich gerne wieder hingehen würde. Ich hoffe allerdings, dass ein bisschen weniger elektronisches Zeug dabei sein wird, das hat dieses Jahr sehr dominiert. Weiterhin bin ich dafür keine 3-Tages-Veranstaltung daraus zu machen, in unserem Alter schaffen wir die zwei Tage mal so gerade eben und das auch nur mit Mühe und viel Disziplin und Durchhalteparolen. Ebenfalls hoffe ich sehr, dass die nicht auf irgendwelche Ideen kommen, ne zweite Bühne hinzu zufügen, so was finde ich immer doof und das ist auch der Grund, warum ich bisher noch nie auf dem Amphi in Köln war. Dauernd spielen zwei Bands, die ich sehen will, parallel... ist doch doof. Als letztes hätte ich allerdings noch eine große Bitte:

Lieber Veranstalter, bitte mach was in Sachen ÖPNV. Ihr kündigt das auf der Homepage so vollmundig an und der Hinweg ist tatsächlich auch sehr unproblematisch, aber der Rückweg ist echt für den A... Es fahren nur noch zwei Busse in jede Richtung halbstündlich. Die in Richtung GE HBf brauchen ne halbe Stunde für die Strecke und sind der normale Linienverkehr, was schön für alle die ist, die nicht beim Festival waren und an späteren Haltestellen versuchen noch in den völlig überfüllten Bus zu kommen. Wenn man so eine Großveranstaltung macht, sollte man sich doch auch mal Gedanken über Sonderbusse machen, die direkt durchfahren. Ich glaub auch, dass man da gar keine Massen von bräuchte, vielleicht vier bis fünf pro Abend zusätzlich. Das würde den Rückweg echt entspannter gestalten.

[Ja, ich mag keine überfüllten Busse. Mir wird da drin schlecht und ich hab Platzangst. Hinzukommt, dass ich es hasse, wenn die Leute dann anfangen in den Bus zu kotzen, wie dieses Jahr am Sonntag. Der stand zwar weit genug weg und hat auch die Türöffnung strategisch klug genutzt, aber mir reichte das Wissen, um meinen Magen auch bald rebellieren zu lassen. Nächstes Jahr plädiere ich für ein Taxi, auch wenn Maik das anders sieht. :-) ]

4
Horch und Guck: