Nach den Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden und dem versuchten in Bonn war in den Medien (und bei Politikern, Kriminologen, ...) sofort CounterStrike und andere "Killerspiele" als Schuldige gefunden. Im Nachhinein stellte sich vieles als unwahr heraus, das schert aber viele nicht, die eisern bei ihrer festgefahrenen Meinung bleiben. Ein kleiner Überblick über das Killerspiel-Ping-Pong in den Medien.
SPON hat den US-Psychologen Peter Langman interviewt. Dieser hat zehn Fälle von Amokläufen untersucht und warnt vor schlichten Erklärungen und scheinbar einfachen Lösungen: "Es gibt keine Formel 'A+B+C+D=Amokläufer'. (...) Kameras helfen gegen Leute, die unerkannt bleiben wollen, etwa Diebe. Amokläufe sind aber keine geheimen Taten, sondern bewusst öffentlich."
Blog, das sich mit Videospielen und vornehmlich mit der Killerspieldebatte befasst. Von allgemeinen News zum Thema werden die Gebiete Killerspiele, Spielegenre, Gewal und Wirkung ausführlich beleuchtet. Ebenso wird hier auf die aktuelle Rechtslage hingewiesen und eine ausführliche Medienkritik geübt und die Falschdarstellungen (auch in gut gemachten Videos) richtig gestellt.
"Neben einer zunehmenden Anzahl fundierter Artikel finden sich in anderen Texten noch immer vermeidbare Fehler und kleinere Ungereimtheiten. (...) Dieser Text soll Autoren ein bisschen Recherchearbeit abnehmen und einige allgemeine Schwachstellen bei Artikeln über 'Killerspielen' aufzeigen."
Es hält sich eisern das Gerücht, dass die US-Army "Killerspiele" zur Abstumpfung und als Trainingsmaßnahme erfunden hat. Nun müssen sie zumindest ihre Ausbildung ändern, da die "Killerspieler" "Kämpfe nur noch aus Computerspielen kennen, was für das echte Leben nicht ausreiche. Für echte Kriege sei die junge Generation zu weich und auch zu undiszipliniert."
"Selbst beim Spiegel werden [.] Mythen verteidigt, obwohl die Belege im Grunde nichts anderes als Missverständnisse sind. So wird in Fachmagazinen fälschlicherweise unter Berufung auf Dave Grossman eine Erhöhung der Schussrate von Soldaten im Vietnamkrieg, dem Falklandkrieg und dem zweiten [Golfkrieg] auf das Training mit Videospielen zurückgeführt. Was für Spiele das hätten sein können hat sich dabei offenbar kaum einer gefragt. Schließlich fanden die Konflikte 1973, 1982 und 1991 statt. 1992 erschien mit 'Wolfenstein 3D' aber bereits der erste 'moderne' Shooter zu spät [...]. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass offenbar viele Leute ihr Geld damit verdienen über Sachen zu schreiben, von denen sie nicht einmal rudimentär eine Ahnung haben. [... S]pätestens dann, wenn ihm das Kopfkino 1973 mit Pong [oder 1982 mit Pac-Man] trainierende Soldaten zeigt, [sollte er] ins Grübeln kommen." (alle Links von mir, eine kleine Zeitreise durch die Computerspielwelt haben wir auch hier (pdf))
"Bekanntlicherweise wird von Politikern und anderen Personen öffentlich gerne behauptet, dass 'Killerspiele' vom US-Militär zu Senkung der Tötungshemmung erfunden wurden." Aber stimmt dieser Mythos überhaupt? Rey Alp geht diesem in einem sehr ausführlichen Artikel auf Stigma Videospiel nach.
"Wenn Teenager in Gewaltverbrechen verwickelt sind, sucht man die Ursache gern im Konsum von Computerspielen. Ein ähnliches Phänomen war vor 30 Jahren die Kontroverse um 'Dungeons & Dragons'. Damals geriet das Fantasy-Rollenspiel in Verdacht, für Todesfälle verantwortlich zu sein. (...) Schon aus rein statistischen Gründen häuften sich fortan (die) Fälle. (...) Genauso wahrscheinlich war es freilich (...) ein Risiko-Set oder Baseball-Karten zu finden."
"Genauso regelmäßig, wie nach Amokläufen gewaltdarstellende Videospiele als Erklärung herangezogen werden, verkünden (Online-) Medien, dass der Nachweis für die Gefährlichkeit von Videospielen erbracht wurde." Aber sind die festgestellten Effekte wirklich signifikant. Rey Alp von Stigma Videospiele hat sich durch zahlreiche Studien gekämpft, ein "Survey".
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