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Ökonomie 7.0Ein etwas ungewöhnlicher Titel, aber nach dem ganzen Web 2.0 Hype muss ich noch mal einen draufsetzen - und Ökonomie 2.0 war auch leider schon vergeben. Hier sollen meine Gedanken zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen erscheinen. Außerdem sammle ich hier Fallstudien zu interessanten Problemen der angewandten Mikroökonomie – und manchmal auch Makroökonomie. Zweck der ganzen Mühe ist es, die trockene Theorie etwas anschaulicher werden zu lassen und zu zeigen, wie mit wirtschaftstheoretischen Wissen die reale Ökonomie erklärt werden kann. Sehr frei nach Goethes Faust: "Grau, teurer Freund, ist die Empirie - Theorie, Theorie!" Wenn Sie interessante Themen haben, die ich hier veröffentlichen sollte, so schreiben Sie mir doch eine e-mail. Viel Spaß! Mit Gehaltsboni soll die Leistungsbereitschaft erhöht werden. Aber über die Höhe des Gehalts spricht man nicht. Aus gutem Grund: Besonders transparente Bonussysteme sorgen für Unzufriedenheit, wie eine Studie (pdf) von Axel Ockenfels, Dirk Sliwka und Peter Werner von der Uni Köln zeigt. "Vor allem: Wer weniger als 100 Prozent Bonus bekam, der wurde deutlich unzufriedener, während die Zufriedenheit bei denen, die mehr als 100 Prozent bekamen, nicht in gleichem Maße stieg." Zudem neigt ein transparentes System zu einem 100 Prozent-Bonus für alle, d.h. der Sinn der Boni, unterschiedliche Leistungen zu honorieren, wird dadurch konterkariert. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts bzgl. der Hartz IV-Sätze (die im übrigen nur transparenter berechnet, nicht zwingend erhöht werden müssen) kamen aus der Richtung des FDP-Chefs und Vizekanzlers polemische und demagogische Parolen. Der vorläufige Höhepunkt des Marktverfechters war dann die Forderung Hartz IV-Bezieher zum Schneeschippen zu verpflichten. In diesen Kanon stimmten dann die Marktbeschützer des Wirtschaftsflügels der CDU fleißig mit ein. Eine Meldung, zwei mögliche Ursachen. Die FTD berichtete vor kurzem über das arme Gastgewerbe. Dessen Umsätze sind im letzten Jahr drastisch eingebrochen. Grund seien die klammen Spesenkonten der Firmen gewesen. Ohne Preiserhöhungen läge der Rückgang sogar bei 6,1% statt 4,8%. Aber ist der Umsatzrückgang trotz oder sogar wegen der höheren Preise eingetreten? Nach dem beschlossenen Ankauf der Steuersünder-CD schießen die Selbstanzeigen (aus nachvollziehbaren Gründen) in die Höhe. Und damit wird eigentlich der Kauf der CD überflüssig, denn die Sünder haben gestanden. Dies hatte auch ein Kommentar in einer großen deutschen Zeitung gefordert (ich finde leider den Link nicht mehr). Die Politik steht damit vor einem klassischen Zeitinkonsistenzproblem:* Die angekündigte Maßnahme wird überflüssig, da die Adressaten der Maßnahme ihr Verhalten (wie gewünscht) geändert haben. Nun kommen wir zum Problem (was auch der Kommentator nicht bedacht hat), dies funktioniert nur einmal, denn beim nächsten mal werden die Steuersünder nicht mehr glauben, dass der Staat die CD kaufen will. Und so wird der Staat wohl oder übel die CD kaufen müssen, auch wenn dies zum jetzigen Zeitpunkt ineffizient wäre. Die Entlohnung eines Arbeitnehmers sollte seiner Produktivität entsprechen. Haben wirklich so viele eine so geringe Produktivität, dass sie von einem Vollzeitjob nicht leben können? Oder zahlen Arbeitgeber einfach unmoralische Löhne? Dabei "sollten (sie) schon aus egoistischen Gründen menschenwürdige Löhne zahlen. (Denn) motivierte Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter." Aber wir alle sind Teil des Systems, wir kaufen beim Discounter und finanzieren mit unseren Steuergeldern den Niedriglohnsektor meint Eva-Maria Simon in ihrem Essay zur Wirtschaftsethik im Rahmen des Alfred-Herrhausen-Laureate. Unabhängig (aber passend) zur aktuellen Hartz IV-Diskussion erschienen.
Wo ich gerade über die laschen Steuerprüfungen der Finanzbeamten gemeckert habe, fiel mir wieder etwas ein, was mir schon seit Jahren immer wieder einfällt, wenn ich an die schlechte Ausstattung der Steuerbehörden denke: Es lohnt sich einfach nicht. Felix regt sich nebenan gerade darüber auf, dass sein ehrlich gekauftes Spiel nur halb so viel wert ist, wie eine gecrackte Version. Dies ist nicht neu, sondern hat System, auch außerhalb des Spielemarktes. Ubisoft zwingt seine Käufer Online zu sein, wenn sie spielen wollen. Downloadmusik mit DRM hat eine schlechtere Qualität. Das Abschalten von DRM-Servern und der damit verbundene Verlust der gekauften Musik hat darüber hinaus nicht gerade zur Vertrauensförderung in das System beigetragen. Ich hatte ja vor kurzem bereits über die Altendorfer Hotelling-Döner-Straße berichtet. Ralf Dewenter und seine Kollegen vom Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der TU Illmenau haben sich dem Ilmenauer Dönerkartell gewidmet und hierzu eine wettbewerbstheoretische Fallstudie verfasst. In Illmenau erhöhten einige Dönerläden gemeinsam und einheitlich die Preise. Handelt es sich hierbei auch um eine Preisabsprache und welche allokativen Effekte gehen von koordininiertem Verhalten aus? Angesichts der koordinierten Preiserhöhung in unserer Hotelling-Döner-Straße könnte man das Illmenauer auch auf das Altendorfer Döner-Kartell übertragen. Viele Staaten versuchen ihre Banken mit Milliardenhilfen zu retten. Allerdings zeigen einige Studien, die Norbert Häring im Handelsblatt zusammenfasst, dass diese Rettung nach hinten los gehen kann. Durch die Bankenrettung wurden die Bankrisiken zu Staatsrisiken. Dieses erhöhte Kreditrisiko lassen sich die Gläubiger durch Risikoaufschläge bezahlen. ""Die gleichen Marktteilnehmer, die die Regierungen vieler Länder in eine desaströse Haushaltslage gebracht haben, verlangen nun 'Risikoprämien', weil sie diesen Regierungen nicht mehr trauen." Dabei sind die Regierungen selbst schuld. Die Banken konnten sich auch schon in der Vergangenheit darauf verlassen, dass der Staat bei Finanzkrisen einspringt. Vor allem konnten sie sich darauf verlassen, da alle Banken gleichermaßen dem hohen Risiko ausgesetzt waren und der Staat die Branche dadurch nicht komplett im Regen stehen lassen konnte. Vielleicht wäre man gut beraten gewesen,vor diesem Hintergrund an der IKB oder der HRE ein Exempel zu statuieren. Update: Eine ganz andere Perspektive gibt es bei TP: "Deutsche Geldinstitute sind die größte Gläubigergruppe der Regierungen von Griechenland, Spanien und Portugal: Griechen-Bailout ist Banken-Bailout" |
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