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Ökonomie 7.0Ein etwas ungewöhnlicher Titel, aber nach dem ganzen Web 2.0 Hype muss ich noch mal einen draufsetzen - und Ökonomie 2.0 war auch leider schon vergeben. Hier sollen meine Gedanken zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen erscheinen. Außerdem sammle ich hier Fallstudien zu interessanten Problemen der angewandten Mikroökonomie – und manchmal auch Makroökonomie. Zweck der ganzen Mühe ist es, die trockene Theorie etwas anschaulicher werden zu lassen und zu zeigen, wie mit wirtschaftstheoretischen Wissen die reale Ökonomie erklärt werden kann. Sehr frei nach Goethes Faust: "Grau, teurer Freund, ist die Empirie - Theorie, Theorie!" Wenn Sie interessante Themen haben, die ich hier veröffentlichen sollte, so schreiben Sie mir doch eine e-mail. Viel Spaß! Bei Telepolis verreißt Matthias Winkelmann gerade die halbjährlichen Konjunkturprognosen der fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute (WFI) (neu: vier Anbieter bzw. Bietergemeinschaften von Wirtschaftsforschungsinstituten). Er stellt die steile These auf, dass keine Konjunkturprognosen besser wären als die seiner Meinung nach grottenfalschen der WFI und man besser Octopus Paul befragen könnte. Ich bin nun kein Empiriker, ich bin Theoretiker. Trotzdem muss ich einmal eine Lanze für die Empiriker brechen, soweit mir dies als Nicht-Empiriker möglich ist. Grundsätzlich habe ich auch ein Problem mit der (teilw.) Empiriegläubigkeit in der Volkswirtschaftslehre. An der Kritik sind die Empiriker z.T. aber nicht ganz unschuldig, denn schließlich suggerieren sie mit ihren genauen Zahlen eine Genauigkeit, die sie nie erfüllen können. WM vorbei. Seminar in Leipzig überstanden. Zeit meine Lesezeichen aufzuräumen - bevor es in den Urlaub geht. Dass der Verbraucher nicht unmündig, jedoch häufig schlecht informiert ist, habe ich vor längerem schon einmal erörtert. Welche Macht der Verbraucher hat, wenn er kollektiv handelt zeigt sich aktuell z.B. im Fall Schlecker. Dort haben nach Lohndumping-Vorwürfen die Verbraucher scharenweise der Drogerie-Kette den Rücken gekehrt. Was mich bei Schlecker dabei sehr verwundert hat und ich die Geschäftspraktiken für bedenklich, zumindest bemerkenswert halte ist die Tatsache, das Schlecker trotz seiner sparsamen Lohnzahlungen nicht der günstigste Anbieter ist. Nicht einmal ein günstiger Anbieter ist. Entweder Schlecker ist ineffizient das es kracht, so dass die Kosteneinsparungen bei den Löhnen irgendwo im Getriebe versickern. Oder die Kosteneinsparungen werden nicht einmal an den Verbraucher weitergegeben, d.h. Wettbewerbsgründe können nicht der Grund für die Sparmaßnahmen gewesen sein. Letztes Wochenende habe ich ein Seminar in Leipzig durchgeführt. Wie sich das für Wirtschaftstheoretiker gehört wurden da natürlich auch Modelle durchgekaut. Diese Modelle und ihre Ergebnisse unterliegen natürlich allerlei Annahmen, so dass man zwangsläufig zu der Frage kommt, was die denn für die Realität taugen. Diese Modelle würden ja auch irgendwelche Unternehmensberater anschauen. Und danach empfehlen das Produkt genau jetzt einzuführen, zu jenem Preis, ... Und nun passt das gar nicht. Diese Woche hat das Bundesverwaltungsgericht ein altes Monopolrecht der Bahn zwar nicht abgeschafft, aber zumindest stark eingeschränkt. Seit den 1930er Jahren darf der Bahn keine Konkurrenz auf Überlandstrecken gemacht werden. Dies gilt komischerweise nur für Reisebusse, aber nicht für den Flugverkehr. Damals wollte man der Bahn unliebsame Konkurrenz vom Leibe halten. Auch nach dem Krieg hat man daran wenig geändert, na klar die Deutsche Bundesbahn war zu 100% im Staatsbesitz. Lediglich durch die besondere Lage West-Berlins waren Reisebuslinien von und nach Berlin erlaubt. Aber auch nur dorthin. Und so ist es bis heute so, dass man zwar von Essen über Hannover nach Berlin fahren kann, aber nicht nur bis nach Hannover. Das ist nicht nur ineffizient sondern auch ökologisch unsinnig, da hierdurch eine potentiell mögliche höhere Auslastung der Reisebusse verhindert wird. Das Umweltbundesamt forderte vor kurzem eine PKW-Maut. So schnell wie die Studie (Kurzfassung als pdf) auf dem Markt war, wurde sie auch schon wieder von allen Seiten verworfen. Verwundert war ich jedoch, dass ausgerechnet der Grüne Umwelt- und Verkehrssenator von Bremen, Reinhard Loske, die Maut ablehnte. Vor allem die Begründung ist erstaunlich - und zeugt von Unkenntnis. "Straßen sind öffentliche Güter."* Viele Unternehmen und auch die öffentliche Hand haben stille Reserven und "totes Kapital" in ihrem Besitz. Besser gesagt, sie haben Eigentum mit wesentlichem Wert, können aber aus diesen nur schwer Liquidität schöpfen. Zum einen können sie ihr Eigentum beleihen bzw. als Sicherheit für einen Kredit aufnehmen. Eine moderne und seit einiger Zeit sehr populäre Form ist das sog. Sale and Lease Back. Hierbei wird die Immobilie verkauft und sofort wieder zurück geleast. Dieses Konstrukt wird v.a. auch aus steuerlichen Gesichtspunkten gewählt, da es "günstiger" ist, als die Immobilie zu verpfänden oder zu beleihen. Finanz- und Wirtschaftskrisen, welche durch das Platzen einer Spekulationsblase entstehen, kommen immer (meist) überraschend. Dabei laufen sie i.d.R. nach dem selben Muster ab. Besonders viel Ähnlichkeit mit der aktuellen Finanzkrise hat die Mutter aller Spekulationsblasen - zumindest die erste verbriefte. Und das ist keine Erfindung des 20. Jh. Bereits 1637 platzte die erste Blase. Die Zeiten ändern sich, die Krisen nicht. Damals waren es Tulpen. Schon bald überstieg die Nachfrage das Angebot, zum Problem wurde die Geschichte erst, als die Tulpen auch mit Zertifikaten gehandelt werden konnten. Man musste die Tulpen nicht mehr physisch besitzen, sondern nur noch die Besitzurkunde. Und so konnte eine Tulpe mehrmals am Tag den Besitzer wechseln, ohne dass sie jemals den heimischen Mutterboden verlassen musste. Den Rest kann man sich denken, die Blaupause erlebten wir neulich. Ausführlicher dargestellt findet man die Tulpenkrise bei Wikipedia, Spiegel oder FAZ. (via) Sie wird wohl kommen, die GBV - die Gesetzliche BankenVersicherung. 1,2 Mrd. € sollen jährlich eingesammelt werden. Aber wird das reichen? Wahrscheinlich nicht. Die jetzige Finanzkrise hat wohl - konservativ geschätzt - mehr als 100 Mrd. € gekostet. Die nächste Krise darf somit frühestens in 100 Jahren kommen. Dennoch werden die Begehrlichkeiten da sein, sollte die nächste Finanzkrise nicht so lange auf sich warten lassen. Die Bank(en), welche dann ins Straucheln geraten, werden (zu Recht) ihre Rettung verlangen. Schließlich haben sie eine Versicherung abgeschlossen (und in diese eingezahlt). Wenn das Geld am Ende nicht reicht, wird wieder Vater Staat, also der Steuerzahler, einspringen müssen. Mit Gehaltsboni soll die Leistungsbereitschaft erhöht werden. Aber über die Höhe des Gehalts spricht man nicht. Aus gutem Grund: Besonders transparente Bonussysteme sorgen für Unzufriedenheit, wie eine Studie (pdf) von Axel Ockenfels, Dirk Sliwka und Peter Werner von der Uni Köln zeigt. "Vor allem: Wer weniger als 100 Prozent Bonus bekam, der wurde deutlich unzufriedener, während die Zufriedenheit bei denen, die mehr als 100 Prozent bekamen, nicht in gleichem Maße stieg." Zudem neigt ein transparentes System zu einem 100 Prozent-Bonus für alle, d.h. der Sinn der Boni, unterschiedliche Leistungen zu honorieren, wird dadurch konterkariert. |
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